Schriftliche Nachweise über einen "Empfang von Tabak" datieren bereits ins 17. Jahrhundert zurück, wie Warenrechnungen (sogenannte „Imposten“) aus dieser Zeit beweisen. Stadtschöffen notierten, dass neben Malz, Hopfen, Wolle, Hanf, Bier, Essig, Wein und Lederhäuten im Jahr 1690 beispielsweise auch mehrere „Centner Tabak“ nach Siegen gebracht wurden. Diese Erzeugnisse wurden damals entweder von einem "Cöllnischen Fuhrmann" oder von "Italianer, Frantze (Franzosen) und Juden" nach Siegen transportiert. Der Versuch, den Anbau mit landesherrlicher Genehmigung auch im Siegerland zu fördern, wurde jedoch erst einhundert Jahre später unternommen.
"In der Druckschrift aus dem Jahr 1780 wurde beispielsweise ausdrücklich vor dem sogenannten ‚türkischen Tabak‘ mit seinen dunkelgrünen Blättern und seiner berauschenden Wirkung gewarnt", erklärt Christian Brachthäuser vom Siegener Stadtarchiv. "Sie tragt aber weniger den Charakter eines Radgebers für Hobbygärtner in der naussau-oranischen Zeit als vielmehr einer erzieherischen Maßnahme, um Missbrauch vorzubeugen", so der Bibliothekar weiter.
Schon damals handelte es sich offenbar um ein lukratives Geschäft. Zu Jahresbeginn 1798 kündigte der Siegener Tabakfabrikant Johann Heinrich Schweisfurth die Eröffnung einer Tabak-Schule auf der Sieghütte an. Seine Motivation: Durch einen erlernten Umgang mit Tabakpflanzen sei man besser imstande, "unächte, schlechte, manchmal durch allerhand Schmierereyen und schädliche Farben verfälschte, der Gesundheit nachtheilige Waare" aus dem Verkehr ziehen, wie es in einem Pressebericht vom 6. Januar 1798 heißt. Denn längst hatte man auch unter dem "Krönchen" erkannt, dass Rauchtabak "zu einem wichtigen Handels-Artickel geworden ist", so Schweisfurth.