Bei einer Baustellen-Besichtigung über das gesamte Gelände wurde gestern (Montag, 21. Juli 2025) der 'Zwischenstand' des Projekts vorgestellt. "Der Ausbau gehört zu den größten Investitionen der letzten Jahrzehnte und der Umfang dieser Baustelle ist beeindruckend", begrüßte Bürgermeister Steffen Mues die Vertreterinnen und Vertreter der heimischen Politik wie der Medien. Er dankte allen Projektbeteiligten für ihre Arbeit und ihr Durchhaltevermögen.
Stephan Roth, Technischer Leiter von ESi, stellte bei einem Rundgang die einzelnen Reinigungsstufen vor: von den auf drei erweiterten Rechenstraßen (hier werden die Hauptstoffe mechanisch herausgeholt), den Sandfang, die Vorklärung, die biologische Reinigung des Wassers durch Bakterien und Kleinstlebewesen in der Belebungsanlage, dann die Nachklärbecken. Besonders imposant: Der Blick in das neue, noch leere fast 50 Meter lange 'Belebungsbecken', das bis zu 9000 Kubikmeter Abwasser fasst. Stephan Roth: "Wir haben 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kläranlage Siegen, aber Millionen von Mitarbeitern in Form von Bakterien für den natürlichen Selbstreinigungsprozess des Wassers." Im Rahmen einer komplexen Prozesssteuerung werden unzählige Abwasser-Werte rund um die Uhr überwacht, erklärte Stephan Roth.
Bürgermeister Steffen Mues spann in seiner Begrüßung den Bogen, warum und wie das Projekt an den Start kam: Die Mitbehandlung der Abwässer aus der Kläranlage Weidenau in der Kläranlage Siegen ist - nach einem Probebetrieb - ab Januar 2026 vorgesehen. Dann fließen pro Sekunde 1.050 Liter Abwasser in die Siegener Kläranlage ein, der Zulauf wird entsprechend reguliert. Stephan Roth: "Die Stilllegung der Kläranlage Weidenau und deren Überleitung zur Kläranlage Siegen führt zu Synergieeffekten. Zwei Anlagen zu betreiben und zu unterhalten ist relativ kostenintensiv."
Schon Anfang 2010 hatte eine Analyse ergeben, dass es möglich ist, die Abwässer von Weidenau auf der Kläranlage Siegen mit zu behandeln. Der Betriebsausschuss wurde in die Planung eingebunden und gab grünes Licht zur Umsetzung. Die Umplanung der Kläranlage Siegen wurde entsprechend der geltenden rechtlichen Anforderungen erstellt und 2015 zur Genehmigung der Aufsichtsbehörde vorgelegt.
Zwischenzeitlich war die EU-Wasserrahmenrichtlinie verabschiedet worden mit dem Ziel, einen guten ökologischen und chemischen Zustand der Gewässer zu erreichen. Es folgten rund eineinhalb Jahren interne Prüfung der Bezirksregierung Arnsberg zur Festlegung der neuen Einleitungsgrenzwerte. Die Grenzwerte für Phosphat und Ammoniumstickstoff wurden deutlich verschärft. Nach Überplanung der Kläranlage und Genehmigung konnte Ende 2019 mit dem Ausbau begonnen werden, und zwar im laufenden Betrieb. "Der Zufluss zu Kläranlage lässt sich ja nicht wie ein Wasserhahn abstellen. Die Abwasserreinigung muss jederzeit sichergestellt werden. Dies bedeutet einen enormen Koordinierungsaufwand und Personaleinsatz für alle Beteiligten", erklärte Mues weiter.
Es gab noch einen weiteren Effekt: Wegen der verschärften Grenzwerte hatten sich die Kosten erheblich erhöht. Die 2015 ermittelten Kosten von zirka 4,5 Millionen Euro konnten nicht gehalten werden und stiegen auf rund 35 Millionen Euro. Wegen des verschärften Grenzwerts war ein großer Umbau notwendig geworden. Neu dazu kamen etwa das 9.000 Kubikmeter große Belebungsbecken und das große Nachklärbecken. Dann kam 2020 Corona und seit 2022 der Ukrainekrieg mit wirtschaftlichen Auswirkungen: fehlendes Personal und Materialknappheit. Die Bauzeit verlängerte sich erheblich und die Baukosten betragen heute rund 46 Millionen Euro.