UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Obenstruthschule

Ihren Namen verdankt die Bildungseinrichtung Aegidius Obenstruth, der Ende des 16. Jahrhunderts zu den wohlhabendsten Untertanen des Amts Siegen in der Grafschaft Nassau zählte. Sein Privatvermögen belief sich auf 20.355 Gulden. Zum Vergleich: Zu jener Zeit kostete ein Wagen Roheisen rund 30 Gulden. Einen Großteil seines Erbes vermachte Obenstruth "Bürgers Söhnen zum studiren sich wohl ahnlaßen würdenn", wie es in seinem Testament von 1608 heißt. Dieses Legat zur Unterhaltung und Förderung bedürftiger Siegener Schüler veranlasste die Stadt Siegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ein neu errichtetes Schulgebäude am Wellersberg nach dem großzügigen Stadtschöffen zu benennen.

Die Stadt Siegen erwarb am 13. August 1907 für 13.118,64 Mark ein 2.332 Quadratmeter großes Areal an der Obenstruthstraße. Nachdem die königliche Regierung in Arnsberg ihre Genehmigung erteilt hatte, beschloss die städtische Schuldeputation in ihrer Sitzung vom 11. Mai 1908, "[…] dass außer den 7 Klassen und einem Lehrerzimmer nur ein Handarbeitszimmer eingerichtet werden soll, dagegen von der Herstellung eines Turnsaales, eines Schulbades oder einer Haushaltungsküche an dieser Stelle Abstand genommen wurde." Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung stimmten diesem Beschluss zu und der veranschlagte Kostenbetrag von 121.000 Mark wurde bewilligt. 100.000 Mark fielen auf das Schulgebäude, 12.692 Mark auf "Nebenanlagen" - die beiden nach Geschlechtern getrennten Schulhöfe - und 7.863 Mark auf die Innenausstattung. Nach der 1909 erfolgten Grundsteinlegung konnte das im Jugendstil errichtete Schulhaus am 1. April 1911 in Betrieb genommen werden. Zu den architektonischen Besonderheiten des Gebäudes zählt neben der durch Risalite, Simse, Flügel und markanten Dachreiter geprägten Außenhülle die Innenarchitektur. Hervorzuheben sind dabei die schmiedeeisernen Jugendstilarbeiten im Treppenhaus.

Ostern 1911 wurde die Schule mit einer Klasse Lernanfänger bezogen, am 1. Juli 1911 kam eine zweite Schulklasse hinzu. Im Jahr 1913 erfolgte die Grundsteinlegung für eine eigene Schülerbibliothek mit anfangs 44 Titeln, die 1926 bereits 256 Bücher verzeichnete. Auch die Schülerzahlen entwickelten sich stetig nach oben und überschritten im Schuljahr 1944/45 erstmals die Grenze von 400 Schülerinnen und Schülern. Mit nur sieben Lehrern kam es an der achtklassigen Obenstruthschule zu enormen Klassengrößen von bis zu 60 Kindern.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schulgebäude durch Luftangriffe und Plünderungen schwer beschädigt. Erst im Frühjahr 1946 konnte wieder ein geregelter Schulbetrieb am Wellersberg organisiert werden. 1995/96 wurde das Schulgebäude unter Denkmalschutz gestellt. Seit dem Schuljahr 2005/06 ist die städtische Gemeinschaftsgrundschule eine offene Ganztagsschule.


Kurzfassung (Text auf der Acryltafel)

Das 1909 im Jugendstil errichtete Gebäude verdankt seinen Namen Aegidius Obenstruth, der Ende des 16. Jahrhunderts zu den reichsten Bewohnern des Amtes Siegen in der Grafschaft Nassau zählte und 1608 einen Großteil seines Vermögens (20.355 Gulden) der Stadt Siegen zur Förderung bedürftiger Schüler vermachte. Drei Jahrhunderte später wurde die im Jahr 1911 in der Obenstruthstraße am Wellersberg neu erbaute Volksschule nach dem großzügigen Bürger benannt. Zu den architektonischen Besonderheiten des 1995/96 unter Denkmalschutz gestellten Gebäudes der Obenstruthschule zählen der markante Dachreiter und die schmiedeeisernen Jugendstilarbeiten im Treppenhaus. Die repräsentative Fassade blieb trotz schwerer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg erhalten.

GPS-Koordinaten (Breiten- und Längengrad):
50.882024, 8.021718

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