Bürgermeister Tristan Vitt thematisierte in seiner Begrüßung besonders den Begriff der Einheit, der auch im Motto der diesjährigen zentralen Einheitsfeier in Bremen "Viele Stärken - Ein Land" mitschwinge. "Wir sind ein Land, aber noch längst kein geeintes Land", so der Bürgermeister. "Einheit bedeutet mehr als Grenzen zu beseitigen. Einheit bedeutet Zugehörigkeit - und Zugehörigkeit entsteht dort, wo Menschen das Gefühl haben: Meine Geschichte zählt, meine Sorgen werden gehört, meine Stimme hat Gewicht.", sagte Tristan Vitt im Bezug auf die Deutsche Wiedervereinigung und die dadurch, besonders in Ostdeutschland, entstandenen Verwerfungen und Umwälzungen. Der Bürgermeister verwies in diesem Zusammenhang auch auf den teilweise fehlenden Einbezug migrantischer Geschichten, deren Erfahrungen und Erlebnisse ebenfalls zu wenig gehört würden.
Im Anschluss hielt Prof. Dr. Eckart Conze von der Philipps-Universität Marburg den Festvortrag mit dem Titel: "Weimar und wir. Wiederholt sich die Geschichte?". Der Historiker schlug dabei einen Bogen von der Weimarer Republik und ihrer polarisierten Gesellschaft zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 bis in die heutige Zeit. Ausgangspunkt seiner Rede war dabei die in der Frühzeit der Bundesrepublik aufgestellte Aussage: "Bonn ist nicht Weimar". Die Geschichte der Weimarer Republik, so Conze, diene dabei immer wieder als Ausgangspunkt für Demokratien, die vor enormen Herausforderungen stünden und dabei einer immer weiteren gesellschaftlichen Polarisierung anheimfielen.
In seinem Fazit zog der Historiker den Schluss, dass sich Geschichte nicht wiederhole. "Aber", so Conze, "die Beschäftigung mit der Geschichte schärft unseren Blick für die Probleme der Gegenwart."
Für die musikalische Untermalung sorgte in diesem Jahr der Siegener Meisterchor "KlangWerk", der mit drei Musikstücken sowie dem Singen der Nationalhymne die Veranstaltung begleitete.