Entwickelt hat die Künstlerin und Dozentin Tessa Knapp die Arbeit für die Fassade der Siegener Versorgungsbetriebe als bewegtes textiles Zeichen im öffentlichen Raum. "ES IST FÜNF NACH ZWÖLF" erscheint als Botschaft innerhalb eines großformatigen Punktrasters und bezeichnet dabei nicht nur eine Uhrzeit, sondern verweist mit physischer Bewegung auf eine Gegenwart, in der die ökologischen Veränderungen längst spürbar sind.
Ausgangspunkt sind lichtreflektierende Thermotextilien, wie sie zunehmend als Hitzeschutz an Fenstern und Fassaden eingesetzt werden. Hierfür wurden vernähte Thermotextilbahnen mittels Lasercut in einer Matrix aus runden Ausschnitten bearbeitet. Aus den ausgestanzten Flächen formt sich die Schrift. Die matt-silberne Oberfläche reagiert auf Sonne, Wolken und Tageszeit, während der Wind die textilen Elemente in Bewegung versetzt. Das klare Raster beginnt zu flimmern, die Schrift tritt hervor.
Die Künstlerin überträgt damit das retro-futuristische Prinzip mechanischer Flip-Dot-Werbe-Displays in ein analoges, textiles System. Nicht Elektronik, sondern die atmosphärischen Bedingungen des Ortes bringen die "Anzeige" in Bewegung. Licht und Wind werden zu aktiven Bestandteilen des Bildes. Das mit physischer Bewegung verbundene Zeitzeichen "ES IST FÜNF NACH ZWÖLF" beschreibt die Spannung zwischen einer vermeintlich alten Anzeigetechnik und der Zukunftsfrage Klimawandel.
Die Künstlerin Tessa Knapp, in Siegen auch als Dozentin und Kuratorin bekannt, arbeitet multimedial sowie raum- und zeitbasiert. Sie studierte Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen und lehrt als Professorin für Bildende Kunst an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Sie lebt und arbeitet in Köln.
Zum Projekt disPLAY:
Bei dem Projekt disPLAY handelt es sich um ortsspezifische Wechselausstellungen am SVB-Gebäude in der Siegener Innenstadt: Jeweils für mehrere Monate werden an der Fassade des Gebäudes die Arbeiten von internationalen, nationalen und regionalen Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen der Kulturabteilung der Universitätsstadt Siegen und den Siegener Versorgungsbetrieben, kuratiert von Stefanie Klingemann und Samuel Treindl vom Fachbereich "Künstlerische Strategien im öffentlichen Raum und kulturelle Bildung"/ Projekt "wanderspace" der Universität Siegen (Leitung: Professorin Johanna Schwarz).