Haushalt: Millionen-Investitionen in Infrastruktur


Der Haushaltsplanentwurf 2026 ist fertig: Das mehr als 800 Seiten umfassende Zahlenwerk stand im Mittelpunkt eines Pressegesprächs, bei dem Bürgermeister Tristan Vitt und Stadtkämmerer Wolfgang Cavelius jetzt (Freitag, 16. Januar 2026) aktuelle Zahlen, Entwicklungen und geplante Investitionen vorstellten.

Der Entwurf geht ab 27. Januar mit dem Ausschuss für Schule und Bildung in die politische Beratungsfolge, die Verabschiedung ist im Rat am Mittwoch, 25. März 2026, vorgesehen.

Der aktuelle Haushalt sei ein "Warnsignal", so Kämmerer Wolfgang Cavelius: "Auf Dauer ist der Haushalt nicht genehmigungsfähig, eine Verschuldung von mehr als 200 Mio. Euro nicht hinnehmbar", warnte er. Auf der Haben-Seiten stehen Erträge von 421 Mio. Euro (mehr als 25 Mio. Euro verglichen mit 2025) gegenüber Ausgaben von 459 Mio. Euro (plus 32 Mio. Euro). Nur dank zweier "Buchungstricks" konnte das Defizit auf 29,1 Mio. Euro "geschrumpft" und somit die Haushaltssicherung abgewendet werden.

Zu schaffen machen dem städtischen Haushalt - trotz gestiegener Gewerbesteuereinnahmen - vor allem die weiter steigende Ausgabenlast, zur finanzielle Schieflage tragen beispielsweise die Kreisumlage (97 Mio. Euro, 2025: 83,3 Mio. Euro), gestiegene Sozialtransfers (plus 10 Mio. Euro), Inflation, steigende Baukosten bei einem gestiegenen Sanierungssaufwand (plus 3 Mio. Euro). Dazu kommen immer mehr Aufgaben, die Bund und Land den Kommunen ohne Gegenfinanzierung aufbürden.

Trotz des Defizits von 29,1 Mio. Euro wird die Stadt Siegen aber weiter umfassend und nachhaltig investieren. Dazu Bürgermeister Tristan Vitt: "Trotz knapper Kassen sind umfassende Investitionen vorgesehen, die unsere Infrastruktur stärken." Diese Mittel - insgesamt rund 61,5 Mio. Euro - fließen vor allem in Schule und Bildung, Straßen und Brücken, Sport und Bäder, Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, sowie Feuerschutz und Rettungsdienst. Vitt weiter: "Das ist trotz der extrem schwierigen Finanzlage eine Rekordinvestition. Aber nichts zu tun wäre am Ende noch teurer."

Zum Haushaltsplanentwurf 2026 …


Einige Projekte im Überblick:


Schule und Bildung

Die Stadt Siegen als Schulträger setzt weiterhin einen Schwerpunkt in Investitionen von Schulen und Kitas. Zu den größten Einzelmaßnahmen gehören die Fortführung der Sanierung der ehemaligen Realschule Am Häusling zum neuen Grundschul-Standort der Spandauer Schule (12,1 Mio. Euro, Fertigstellung Sommer 2027) sowie die Erweiterungen der Albert-Schweitzer-Schule (12 Mio. Euro, Planungsbeginn 2026) und der Diesterwegschule (Betreuungsräume, Aula, Mensa mit Baubeginn in 2026, Gesamtkosten: ca. 6,7 Mio. Euro). Außerdem werden die naturwissenschaftlichen Räume der Gesamtschule Auf dem Schießberg (Gesamtkosten ca. 1,4 Mio. Euro) saniert.

Zu weiteren größeren Einzelmaßnahmen an Schulen gehören laufende Brandschutzmaßnahmen (500.000 Euro), die Sanierung der Treppenhaustüren Gesamtschule Rosterberg (280.000 Euro), die WC-Sanierung Gesamtschule Rosterberg (250.000 Euro) und Sanierung des maroden Dachstuhls Gymnasium Am Löhrtor (690.000 Euro). Außerdem werden - nicht nur an Schulstandorten - für 1,9 Mio. Euro Heizungen saniert: an der Gesamtschule Am Rosterberg, Gesamtschule Eiserfeld (Standort Hengsbach), am Familienzentrum Lindenberg, am Jugendtreff Westhang, im Familienzentrum Lindenberg, am Sportplatz Trupbach und im Haus Seel. 

Die Stadt Siegen investiert auch weiter massiv in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung. So wird beispielsweise die ehemalige Hüttentalschule in der Breitscheidstraße aktuell in eine Kita umgebaut (Gesamtkosten rund 1,4 Mio. Euro). Weitere Bauprojekte werden durch Investoren und Träger umgesetzt und zeigen sich im Haushalt durch die Finanzierung von Ausstattung, Spielgeräten usw. durch Land und Stadt Siegen, beispielsweise bei der Kita Birkenweg in Eiserfeld.

Straße, Brücken und Mobilität

Der Straßenbau nimmt mit über 16 Mio. Euro einen großen finanziellen Raum ein: Allein für die Straßensanierung (Deckschichtenmaßnahmen) sind rund 3,5 Mio. Euro vorgesehen. Auf dem Programm der Straßen -und Verkehrsabteilung stehen die Erneuerung der Wetzlarer Straße (1 Mio. Euro) und die Ziegeleistraße/Adolf-Sänger-Straße (1,2 Mio. Euro). Erneuert werden außerdem die Gerberstraße, die Straße Am Schmittenberg, der Güterweg und der Hauptmarkt Weidenau/Münkershütten. 

Ebenso im Straßenbauprogramm ist der Ausbau der Siegener Straße in Gosenbach bis 2027 vorgesehen, im aktuellen Haushalt mit einem Ansatz von 3,2 Mio. Euro (Gesamtkosten 8,3 Mio. Euro). Geplant sind hier barrierefreie Bushaltestellen, neue Straßenbeleuchtung und Glasfaserinfrastruktur. Einen weiteren großen Anteil nimmt der Ausbau der Haardtstraße bis 2027 ein, in diesem Jahr sind 1,03 Mio. Euro eingepreist.

Bis 2027 wird die komplette Straßenbeleuchtung mit energieeffizienten LED-Leuchten modernisiert (2026: 4 Mio. Euro), um CO2 zu senken und Strom zu sparen, gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative der Bundesregierung. Bis Ende 2026 sollen 4.786 Lampen ausgetauscht werden, ein zweiter Antrag für weitere 5.176 Leuchten läuft. Weitere 600.000 Euro fließen in diesem in die LED-Sanierung der Ampelanlagen (jährliche Sanierung, 3,3 Mio. Euro bis 2029). Bei den Brücken liegt der Planungsanteil für den Neubau Hufeisenbrücke der 2,1 Mio. Euro. Rund 700.000 Euro sind für den Neubau der Brücke Hubacher Weg vorgesehen.

Sport und Bäder

Die Neugestaltung der Bäderlandschaft bleibt das finanzstärkste Projekt im Haushalt. Im Hallenbad Eisfeld sind die Sanierungsarbeiten in vollem Gang. Die Baukosten betragen rund 13 Mio. Euro (ca. 4,7 Mio. Euro Fördermittel durch Land NRW). Die Gebäudehülle wird energetisch saniert und die 40 Jahre alte Bädertechnik ausgetauscht. Außerdem wird u. a. der Eingangs- und Kassenbereich umgestaltet und auf ein modernes Kassensystem umgestellt, außerdem wird es ein “Ertrinkenden-Erkennungssystem” mittels KI-Technik geben. Das Gebäude selbst wird künftig barrierefrei mit neuen Familien-Umkleiden und einer neuen PV-Anlagen auf dem Dach.

Mit rund 51 Mio. Euro wird der Ersatzneubau des Hallenbads Weidenau die größte Einzelinvestition in der Stadtgeschichte. Abriss und Baubeginn sind für Anfang 2027 vorgesehen. Es entsteht ein modernes Hallenbad mit einem Fokus auf dem Schul- und Vereinssport, zur Steigerung der Aufenthaltsqualität sind Wasserattraktionen, ein Wettkampfbecken und eine Tribüne vorgesehen.

Die Stadt Siegen bekennt sich zum Fußballstandort und unterstützt die Ambitionen der Sportfreunde Siegen. Deshalb soll in der Sommerpause 2026 eine Rasenheizung eingebaut werden, damit verbunden ist eine Erneuerung des Rasenspielfelds (Kosten: ca. 1,25 Mio. Euro). Auf dem Plan steht auch die Modernisierung des Hofbachstadions mit einer Stärkung des Standorts als regionalem Leichtathletik- und Fußballstadion. Die geschätzten Baukosten liegen aktuell bei rund 2,4 Mio. Euro (Zuschuss: beläuft sich auf rund 2,2 Mio. Euro. Die Hauptbauphase erstreckt sich über das Jahr 2026 mit der Sanierung der Tribüne, der Tartanbahn sowie der Umrandung des Sportplatzes. Zusätzlich zum geförderten Sanierungsprojekt wird die Erneuerung des Rasenspielfeldes und Ertüchtigung der Drainage vollständig aus Eigenmitteln in Höhe von rund 250.000 Euro vorgenommen.

Weiterhin ist die Flachdachsanierung im Freibad Kaan-Marienborn für über 300.000 Euro sowie der Austausch der Absorberanlage (125.000 Euro) und eine Beckenwasserbeheizung (160.000 Euro) vorgesehen.

Wirtschaftsförderung

Die Gewerbegebiete Obere Leimbach und Martinshardt I sind vollständig vermarktet. Dieser Erfolg und eine weiterhin anhaltend hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen hatte zur Entscheidung zugunsten einer Erweiterung des Gebietes geführt: Martinshardt II. Die Planungen hierzu gehen mit Hochdruck vor. Die Offenlage des Bebauungsplans “Gewerbegebiet Martinshardt II” ist beendet, der Satzungsbeschluss soll ab Mitte 2026 erfolgen und im Anschluss die Erschließungsarbeiten ausgeschrieben werden. Die Flächen sollen ab Mitte 2029 verfügbar sein. Im Haushalt sind 825.000 Euro für Planungsleistungen vorgesehen, bei Gesamtkosten von rund 25,8 Mio. Euro bis 2029.

Kultur

Größter Posten ist die Erweiterung des Siegerlandmuseums mit dem Bunker Burgstraße (Baubeginn in 2027). Hierfür sind 3,5 Mio. Euro vorgesehen, bei Gesamtkosten von rund 11,3 Mio. Euro. Außerdem wird das Foyer des Siegerlandmuseums in 2026 neugestaltet und umgebaut, insbesondere mit Blick auf die zu erwartenden Besucherzahlen im Rubens-Jubiläumsjahr 2027. Zu weiteren Baumaßnahmen gehören die Sanierung der Fenster im Altbau des Museums für Gegenwartskunst (180.000 Euro) und die Sanierung des Atriums Siegerlandhalle (150.000 Euro).

Stadtentwicklung

Im Frühjahr 2026 soll erneut ein Förderantrag im Rahmen des Förderprogramms „Struktur- und Dorfentwicklung ländlicher Raum" des Landes NRW gestellt werden. Das Stadtteilentwicklungskonzepte für Gosenbach und Feuersbach wurde abgeschlossen. Für die Umsetzung von kleineren, sich daraus ergebenden Maßnahmen werden von 2024 bis 2027 jährlich jeweils 50.000 Euro bereitgestellt. Außerdem startet in diesem Jahr der hochbauliche Realisierungswettbewerb für einen Neubau der Bluebox in Siegen, der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung des Stadtjugendrings Siegen. Dieses Verfahren wird extern begleitet. Endes dieses Jahres werden die Preisträger feststehen. Zum städtebaulichen Masterplan Innenstadt Siegen: Das Bebauungsplanverfahren zum Campus Nord im Bereich Friedrichstraße soll in 2026 abgeschlossen werden.

Feuerschutz und Rettungsdienst

Es wird deutlich in den Fuhrpark investiert: 1,4 Mio. sind für Fahrzeuge im Rettungsdienst vorgesehen, für Fahrzeuge der Feuerwehr rund 673.000 Euro. Für Abriss und Neubau des Feuerwehrgerätehaus Sohlbach sind im Haushalt 700.000 Euro veranschlagt (bei Gesamtkosten von rund 3,7 Mio. Euro, die Bauantragstellung und Ausführungsplanung soll 2026 erfolgen). In diesem Jahr starten auch die Planungen für die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses Meiswinkel.