Drohnenlogistik soll sicherer werden


Die Universität Siegen erhält knapp eine Million Euro für das Forschungsprojekt "CODROMO".

Gefördert vom Land NRW soll ein System entwickelt werden, das Drohnenlogistik im städtischen Raum sicher koordiniert. Dabei geht es um schnelle Lieferungen, klare Regeln und Technik für die Zukunft.

Die Universität Siegen baut an einer neuen Infrastruktur für Drohnenlogistik und erhält dafür knapp eine Millionen Euro Förderung. Das Projekt CODROMO “Cooperative Drone Mobility” soll zeigen, wie Drohnen im Stadtgebiet künftig koordiniert werden können, ohne dass unterschiedliche Einsätze sich gegenseitig behindern. Drohnen zählen zu den Schlüsseltechnologien der städtischen Mobilität der Zukunft - und Nordrhein-Westfalen positioniert sich als führender Standort für ihre Erprobung und den Praxiseinsatz. Gefördert wird das Siegener Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV NRW).

“Die Förderung zeigt einmal mehr, wie viel Potenzial in einer starken Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft steckt”, sagt Prof. Dr. Stefanie Reese, Rektorin der Universität Siegen. “Gemeinsam mit dem Unternehmen Morpheus arbeiten wir an der Universität Siegen an innovativen Lösungen für die zivile Mobilität der Zukunft.”

Eine mobile Leitstelle für einen sicheren Luftraum

Im Projekt CODROMO wird eine zentrale, mobile Leitstelle entwickelt. Kernstück ist eine containerbasierte Lösung. Der Container ist kompakt und leicht genug, dass er auf einem LKW transportiert werden könnte. Geplant ist, dass er zunächst für die Dauer der Forschung in der Nähe des Campus “Unteres Schloss” aufgestellt wird. Während der Forschungsphase und noch fünf Jahre danach soll er, nach dem Wunsch des Ministeriums, in der Stadt gut sichtbar sein, damit Menschen das System kennenlernen können.

Aus dieser Leitstelle heraus sollen Drohnenflüge verschiedener Betreiber koordiniert werden. Die Forscher entwickeln ein System für Überwachung und Kollisionsvermeidung. Es soll Risiken reduzieren und Konflikte im Luftraum möglichst automatisch entschärfen oder gar nicht erst entstehen lassen. Menschen überwachen das System weiterhin, denn Regeln, Sicherheit und Verantwortung bleiben handwerklich und organisatorisch entscheidend. Für die Forschung wird das System im Raum Siegen und Kreuztal erprobt. Es soll auf andere Kommunen übertragbar sein. Die Infrastruktur soll vor allem für Transporte genutzt werden, bei denen es auf Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit ankommt. Dazu zählen etwa Ersatzteile aus der Industrie, um Produktionsstillstände zu vermeiden, Proben, die vom Krankenhaus ins Labor gelangen müssen, oder Medikamente für eine schnelle Versorgung, die im Notfall geliefert werden sollen. Solche Schnelltransporte sind bislang oft nicht in der nötigen Form möglich.

Sicherheit, Behörden und der Blick auf die nächsten Jahre

Heute ist das Verkehrsaufkommen von Logistik-Drohnen noch gering. Gleichzeitig nutzen einzelne Betreiber, wie der Kooperationspartner Morpheus Logistik GmbH, bereits Drohnenrouten. In den nächsten rund zehn Jahren rechnen Projektpartner und Fachleute jedoch damit, dass mehr Drohnen unterwegs sein werden. Genau dann braucht es robuste, skalierbare Systeme, die den Luftraum kontrollierbar machen und Kollisionen vermeiden helfen.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit gilt der Kooperation mit verschiedenen Akteuren des Katastrophenschutzes. Deren Anforderungen müssen so verstanden und umgesetzt werden, dass Drohnenlogistik zum Beispiel Rettungshubschraubern nicht in die Quere kommt. Feuerwehr Siegen, DLRG und THW sind deshalb als assoziierte Partner eingebunden. Sie sollen in realen Szenarien mithelfen zu prüfen, welche Sicherheitsbedingungen notwendig sind. Einen ersten Workshop mit den Beteiligten gab es bereits.

“Stadt, Kreis und Behörden basteln zusammen mit uns an Lösungen. Das zeigt die Innovationskraft der Region”, betont Prof. Dr. Giuseppe Strina, Professor für Dienstleistungsentwicklung in KMU und Handwerk an der Uni Siegen. “Ziel ist, dass wir ein System entwickeln, das auf andere Gebiete übertragbar ist und sich von kleinen Unternehmen anwenden lässt. Wenn Drohnen-Logistik dadurch für kleine Unternehmen interessant wird, können sie ihre Geschäftsmodelle erweitern und haben einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.”

Das Vorhaben ist im Mai 2026 gestartet und läuft zweieinhalb Jahre. Projektkoordinator ist Dr. Jürgen Daub aus dem Team von Prof. Strina. Getragen wird das Projekt von einem interdisziplinären Konsortium: Die Universität Siegen übernimmt Koordination, Systemintegration und wissenschaftliche Leitung. Morpheus Logistik GmbH bringt operative Drohnenkompetenz und Sicherheitsmanagement ein. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Siegen unterstützt bei der Erprobung in Reallaborflächen und beim Transfer in die kommunale Praxis. Die Karl Koerschulte GmbH hilft als assoziierter Partner bei regulatorischen Fragen und bei der Bodeninfrastruktur.

[Pressemitteilung der Universität Siegen vom 2. Juli 2026]