UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Heimische Fledermäuse - Heimlich, still und harmlos!

Seit Jahrhunderten beflügelt die geheimnisvolle Lebensweise der Fledermäuse die menschliche Fantasie. Der zielsichere Flug der Tiere durch die dunkle Nacht weckte allerlei Aberglauben. Erst seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wissen wir, dass die kleinen Flugakrobaten sich mit Hilfe von Ultraschallrufen orientieren, die für uns Menschen nicht hörbar sind. Und so tritt allmählich der Einblick in eine faszinierende Lebensweise an die Stelle von Sagen und Mythen.

Lebensraum Stadt

Inzwischen wissen wir, dass einige Fledermausarten in unmittelbarer Nähe des Menschen leben. In großen Städten besiedeln sie bisweilen Gebäude oder wohnen in alten, hohlen Parkbäumen. In Siegen zum Beispiel kommt die Zwergfledermaus vor, und ab und zu wird auch die Wasserfledermaus gefunden. Mit der Abenddämmerung beginnen die Tiere aus ihren Tagesverstecken aus zu fliegen, um in der Nacht an Flüssen und Teichen, in Parks, Gärten und Wäldern nach Insekten zu suchen. Während manche Arten ihre Verstecke in Baumhöhlen haben, nutzen die sogenannten "Gebäudefledermäuse" Spaltenquartiere hinter Holz- und Schieferverschalungen, unter Fensterbänken, in Rolladenkästen, etc. Nur die "Großen Mausohren" sind frei hängend auf einem Dachboden zu finden. In diesen Sommerquartieren bringen die Weibchen auch ihre Jungen zur Welt (sogenannte "Wochenstuben").
Mehr als 4.000 Mücken kann eine einzige kleine Fledermaus pro Nacht vertilgen. Dabei ist die Zwergfledermaus der Däumling unter den heimischen Fledermausarten. Gerade einmal 5 Gramm schwer, findet sie bequem in einer Streichholzschachtel Platz. Im Vergleich dazu ist das Große Mausohr mit der Körpergröße eines Sperlings und einer Flügelspannweite von 40 Zentimetern der Riese unter unseren heimischen Flattertieren.

Gesetzlicher Schutz

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden die Fledermäuse immer stärker aus der Landschaft. Alle 20 heimischen Arten werden in der Roten Liste der in Nordhein-Westfalen gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt. Sie sind daher heute durch das Bundesnaturschutzgesetz und durch die europäische Flora-Fauna-Habitat (FFH-)-Richtlinie streng geschützt. Daher ist es verboten, diese Tiere zu fangen, zu verletzen, zu töten oder sie durch Aufsuchen, Fotografieren oder Ähnliches zu stören. Auch die Quartiere und Verstecke der Fledermäuse stehen unter gesetzlichem Schutz.

Winterquartiere

Fledermäuse gehören zu den Tierarten, die einen echten Winterschlaf halten. Als Schlafplatz benötigen sie einen kühlen, aber frostfreien Platz. Manche Arten überwintern im Innern von Stollen, Höhlen, alten Eiskellern oder auch in Baumhöhlen, andere Arten suchen geschützte Spaltenbereiche an Gebäuden auf, wie etwa die Zwergfledermaus.

Ihre Mithilfe ist gefragt

Wenn Sie Beobachtungen zu Fledermäusen machen, vielleicht sogar Kenntnis von einem Fledermausquartier in einem Stollen, Haus oder einem Baum haben, so melden Sie sich bitte bei der Abteilung Umwelt. Hinweise von Ihnen sind wichtig, um Daten zur Verbreitung der heimischen Fledermäuse zu erhalten und um geeignete Schutzmaßnahmen durchführen zu können.

Was ist zu tun, wenn ...

... Fledermäuse sich im Sommer in einen Wohnraum verirren?
Bleiben Sie ganz ruhig! Fledermäuse sind harmlose Insektenfresser, und bevorzugen wie jedes Wildtier die Distanz zum Menschen. Öffnen Sie das Fenster so weit wie möglich, löschen Sie das Licht, und beobachten Sie das Davonfliegen der Tiere durch das offene Fenster. Nur im Notfall sollten die Tiere vorsichtig mit Handschuhen angefasst werden. Setzen Sie das Tier draußen an einem katzensicheren Platz ab, zum Beispiel auf einer Fensterbank, Balkon oder Baum, von wo aus das Tier alleine wieder davon fliegen kann. Auf keinen Fall dürfen Fledermäuse in die Luft geworfen werden, wie es etwa bei Mauerseglern nötig ist.

... Fledermäuse im Sommer auf dem Dachboden gefunden werden?
Lassen Sie die Tiere ungestört, da es sich um einen Schlafplatz oder eine Wochenstube handelt. Der Kot der Tiere auf dem Boden lässt sich problemlos mit einer Zeitung als Unterlage unter dem Hangplatz entfernen.

... Fledermäuse im Winter in Gebäuden gefunden werden?
Die Tiere befinden sich im Winterschlaf und dürfen nicht gestört, berührt oder angeleuchtet werden. Eine Störung führt zum Verlust von Energiereserven, die die Fledermäuse im Frühjahr beim Erwachen benötigen. Zur Not wenden Sie sich an einen der unten angegebenen Ansprechpartner.

... eine geschwächte Fledermaus gefunden wird?
In diesem Fall sollte unverzüglich eine der unten aufgeführten Personen informiert werden, damit das Tier in eine fachgerechte Pflege übergeben werden kann.

Ansprechpartner:

Stadt Siegen ⋅ Abteilung Umwelt
Herr Dr. Martin Wiedemann
Telefon: (0271) 404-3447 (dienstlich)
oder (0271) 22626 (privat)

Biologische Station Rothaargebirge in Kreuztal-Ferndorf
Herr Michael Frede
Telefon: (02732) 7677341

NABU Siegen-Wittgenstein
Herr Christian Sebening (Erndtebrück-Schameder)
Telefon: (02753) 604681 oder (0173) 2517259

Weitere Informationen zu Fledermäusen erhalten Sie im Internet unter folgenden Adressen:

www.fledermausschutz.de.
www.nabu-siwi.de.

Spezielle Exkursionen zum Thema "Fledermäuse" werden von den heimischen Experten zumeist in der letzten Augustwoche angeboten, wenn europaweit durch die "European Batnight" auf die Fledermäuse aufmerksam gemacht wird. 

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