UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Bodenuntersuchungen in Hausgärten

Der Einsatz von Düngemitteln in privaten Haus- und Kleingärten ist heute weit verbreitet. Dabei werden sowohl mineralische als auch organische Düngemittel, wie z. B. Kompost und Stallmist verwendet, um die Erträge auf den Gartenflächen zu erhöhen. Oft wird hierbei getreu der Devise "Viel hilft viel" verfahren. Einerseits kann so der Mangel eines bestimmten Nährstoffes nicht ausgeglichen werden, andererseits kann es auch zu einer Übersättigung einzelner Nährstoffe im Boden kommen, was sich ebenfalls negativ auf das Wachstum der Pflanzen auswirken kann und weitere negative Folgen nach sich zieht. Überschüssige Nährstoffe können aus dem Boden ausgespült werden und das Grundwasser belasten.

Vorgehensweise

Um diesem Problem auch im Stadtgebiet Siegen entgegenzuwirken und somit einen Beitrag zum Bodenschutz zu leisten, wurde im Frühjahr 1992 für interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit geschaffen, Bodenproben aus ihren privaten Haus- und Kleingärten auf ihren Nährstoffgehalt untersuchen zu lassen. Die Aktion "Bodenuntersuchung in privaten Haus- und Kleingärten" wurde von der Abteilung Umwelt der Stadt Siegen ins Leben gerufen, organisiert und finanziell unterstützt.

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt Nordrhein-Westfalen (LUFA NRW) in Münster wurden zu diesem Zweck 317 Bodenproben auf ihren pH-Wert (= Kalkversorgung) sowie ihre Phosphor-, Kalium- und Magnesiumversorgung hin untersucht. Jede Bürgerin bzw. jeder Bürger, die/der eine Bodenprobe zur Analyse abgegeben hatte, bekam neben den Analyseergebnissen auch eine individuelle Düngeempfehlung, die konkrete Hinweise für den sinnvollen Einsatz und Verzicht von Düngemitteln im eigenen Garten enthielt.

Ziel der Aktion war es, nicht nur einen aktuellen Überblick über die Nährstoffversorgung der Böden in privaten Haus- und Kleingärten im Stadtgebiet zu bekommen, sondern auch eine Sensibilisierung für den behutsamen Einsatz von Düngemitteln in Siegen zu schaffen.

Ergebnisse

Bei der Kalkversorgung, die durch pH-Wert Analysen bestimmt wurde, lagen 62 % der Proben über dem Optimum, wobei jedoch keine sehr hohen Werte ermittelt wurden. Weniger als ein Drittel der untersuchten Böden waren optimal mit Kalk versorgt und nur 10 % wiesen einen Mangel auf, wobei auch hier keine sehr niedrigen Werte bestimmt wurden (Abbildung 1).

Für die Phosphorversorgung der Böden ergaben sich weit höhere Gehalte. 80 % der untersuchten Proben wiesen zu hohe Phosphorgehalte auf. Die höchsten nachgewiesenen Werte überstiegen die ausreichende Versorgung um das Zehnfache und lagen bei 240 mg Phosphorpentoxid pro 100 g Boden. Lediglich 8 % befanden sich im Optimum und nur insgesamt 12 % der untersuchten Böden waren unterversorgt (Abbildung 2.).

Obwohl eine Überversorgung mit Phosphor nicht unmittelbar pflanzenschädigend ist, kann sie jedoch bei gleichzeitig hoher Kalkversorgung (hoher pH-Wert) die Spurenelemente im Boden festlegen, so dass sie nicht mehr pflanzenverfügbar sind.

Eine ähnliche Situation wie bei der Phosphorversorgung der Böden zeichnete sich auch bei den Kaliumwerten ab. Hier lagen insgesamt 77 % der untersuchten Proben über dem Optimalwert. Immerhin 17 % konnten als optimal eingestuft werden, während zusammen 11 % niedrige bzw. sehr niedrige Versorgungswerte anzeigten (Abbildung 3).

Auf eine Überversorgung mit Kalium reagieren viele Kulturpflanzen empfindlich, weil unter solchen Verhältnissen nur noch erschwert oder kaum noch Magnesium von ihnen aufgenommen werden kann. Außerdem unterliegt das überschüssige Kalium bei starken Regenfällen oder Bewässerung der Auswaschung ins Grundwasser.

Etwas ausgeglichener erwies sich der Versorgungszustand der Gartenböden mit Magnesium. Zwar lagen bei 57 % der Proben die Werte oberhalb des Optimums, aber immerhin 34 % konnten als optimal eingestuft werden. Bei 9% der Proben ergab sich eine niedrige Versorgungsstufe (Abbildung 4).

Zusammenfassend betrachtet, bestätigte sich der erwartete Trend zu einer Überversorgung privater Haus- und Kleingärten mit den untersuchten Pflanzennährstoffen. Mehr als zwei Drittel aller Proben (68 %) wiesen bei einem oder mehreren Parametern Werte oberhalb des Versorgungsoptimums auf, lediglich 10 % lagen darunter. Für weniger als ein Viertel der untersuchten Böden konnten für einen oder mehrere Pflanzennährstoffe optimale Werte ermittelt werden.

So wichtig dieser Gesamtüberblick für die Abschätzung des Versorgungszustandes der Gartenböden mit Nährstoffen im Stadtgebiet ist, war für die BürgerInnen, die sich an dieser Aktion beteiligten, von größerer Bedeutung, welches konkretes Einzelergebnis für den eigenen Garten vorlag. Denn auf dessen Grundlage wurde in Abhängigkeit von der Bodenart und den auf der beprobten Fläche angebauten Gartenkulturen eine konkrete Düngeempfehlung erarbeitet.

Aufgrund der erfreulichen Resonanz im Jahr 1992 wurden im Frühjahr 1997, Herbst 2003, 2014 und 2018 erneut Bodenprobenaktionen durchgeführt. Die Resultate beider Aktionen waren nahezu deckungsgleich mit denen der im Jahr 1992 durchgeführten Untersuchung.

Aus der Sicht des vorbeugenden Umweltschutzes wird aus diesen Untersuchungsreihen deutlich, dass weiterhin ein hohes Maß an Aufklärungsbedarf zu Fragen des Bodenschutzes besteht. In Zukunft sollten daher weitere gezielte Aktionen und Maßnahmen zu Bodenschutzfragen durchgeführt werden.

Unabhängig hiervon besteht für jede interessierte Bürgerin/jeden interessierten Bürger die Möglichkeit, Bodenproben aus Gärten von der Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Nordrhein-Westfalen (LUFA NRW) in Münster untersuchen zu lassen.

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