UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Die Grundsteinlegungsurkunde der Synagoge Siegen

Die Grundsteinlegungsurkunde der Synagoge Siegen im Bestand des Stadtarchivs Siegen

Sieben Jahre nachdem unter Vorsitz des Kaufmanns Meyer Leeser Stern (1834-1924) im Jahre 1884 die jüdische Gemeinde in Siegen gegründet worden war, hatten sich 1891 genügend Interessenten zusammengefunden, um ein Grundstück am Obergraben zu erwerben, auf dem der anvisierte Bau einer Synagoge realisiert werden sollte. Allerdings vergingen noch mehrere Jahre, ehe sich Meyer Leeser Stern am 24. September 1902 mit der Bitte um den Bau einer Synagoge in Siegen an die Königlich Preußische Regierung zu Arnsberg wandte. Nach der behördlichen Genehmigung konnte schließlich am 23. Juli 1903 die Grundsteinlegung gefeiert werden.

Durch einen Wasserschaden ist das wertvolle, dreiseitige Dokument zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Siegens stark beschädigt, aber noch lesbar. Immerhin hat es die Reichspogromnacht und die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses am 10. November 1938 überstanden. Der erste Absatz des Textes lautet:

"Heute, am 23. Juli des Jahres Eintausendneunhundertdrei, im vollendeten fünfzehnten Jahre der glorreichen Regierung S[einer] Majestät Wilhelm II., des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, wurde im Beisein des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde Siegen, sowie des Lehrers und Kultusbeamten S[imon] Grünewald und der Herren Bauunternehmer H[einrich; unterschrieben hat Ernst] Schneck und Architekt H[ermann] Giesler, der Grundstein zu dieser Synagoge gelegt, diese Urkunde verlesen, nebst je einem Exemplar des Statuts der Synagogengemeinde Siegen, der Friedhofsordnung für den jüdischen Begräbnisplatz zu Siegen und des israelitischen Frauenvereins im Synagogenbezirk Siegen, unter den üblichen Formalitäten in das Mauerwerk eingelegt und verschlossen."

Pikant: Die Bauleitung am Obergraben lag in den Händen des Siegener Architekten Hermann Giesler. Dessen Sohn Hermann Giesler junior (1898-1987) avancierte im Dritten Reich neben Albert Speer zum führenden Architekten des nationalsozialistischen Regimes.

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand C, Nr. 3126

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