UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Bahnhof Siegen

Der Bahnhof Siegen mit seinem Empfangsgebäude am Ausgangspunkt der Bahnhofstraße entstand vorgelagert in einiger Entfernung von der damaligen städtischen Bebauung an den Ausläufern des Herrengartenareals. Mit Eröffnung der Ruhr-Sieg-Eisenbahn im August 1861 und einer Stichbahn der Deutz-Gießener Eisenbahn, die in Betzdorf von der Hauptstrecke abzweigte und bereits im Januar 1861 eröffnet worden war, bildete der Bahnhof Siegen eine Nahtstelle der unabhängigen, von privatwirtschaftlichen Eisenbahnunternehmen erbauten und betriebenen Strecken. Der Bahnhof verfügte über getrennte Betriebsanlagen beider Betreibergesellschaften, der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Beide Systeme waren durch ein entlang des Bahnsteigs verlaufendes Gleis miteinander verbunden. Neben den beiden Betriebswerken mit Lokschuppen und einer Güterabfertigung mit Ladestraße im nördlichen Bereich befanden sich Wagenschuppen und Erzverladegleise im südlichen Teil des Bahnhofsgeländes. Bereits 1862 entstand ein Wagenausbesserungswerk, das bis in die 1920er Jahre kontinuierlich erweitert und nach dem 2. Weltkrieg als ausgedehnte Großhalle wieder aufgebaut wurde; nach der endgültigen Schließung 1975 erfolgte ihr Abriss 1979. Das zweigeschossige und mehrgliedrige Empfangsgebäude wurde durch die Eisenbahngesellschaften gemeinschaftlich errichtet und genutzt, allerdings waren Diensträume, Gepäckabfertigungen und Büros zweifach ausgeführt. Mit der Beseitigung der sich nördlich anschließenden Dienst- und Geschäftsgebäude nach 1990 gingen Teile des gewachsenen baulichen Ensembles unter. Das Bahnnetz stellte für die Stadt und ihr Umland den Ausgangspunkt für eine durchgreifende ökonomische Fortentwicklung und Erneuerung dar: Die wirtschaftliche Lage des Siegerlandes war Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem hohen Industrialisierungsgrad angesichts einer mangelhaften Verkehrsinfrastruktur durch tiefgreifende Wettbewerbsnachteile gegenüber konkurrierenden Industrierevieren gekennzeichnet. Die Region wie auch die Stadt Siegen im Speziellen erfuhren durch den Eisenbahnanschluss an die Kohleversorgung der Ruhr und den bedeutenden Absatzmarkt für Erz und Metallprodukte, insbesondere im märkischen Raum, einen enormen Aufschwung. Über die Zweigbahn zur Deutz-Gießener Eisenbahn erhielt der Raum Siegen eine Verbindung zum Rhein und über Frankfurt nach Süddeutschland. 1915 bekam Siegen über den Bahnhof Siegen-Ost Anschluss zur fertiggestellten Hauptbahn Weidenau – Dillenburg und damit auf direktem Weg zum Wirtschaftsraum des Dillgebietes.


Kurzfassung (Text auf der Acryltafel)

Der Bahnhof Siegen - seit 1999 Hauptbahnhof Siegen - entstand am Ausgang der Bahnhofstraße vor der Stadt im Zuge des Baus der Ruhr-Sieg-Eisenbahn Hagen - Siegen und der Zweigbahn Betzdorf - Siegen der Deutz-Gießener Eisenbahn, die im Jahr 1861 in Betrieb gingen. Erbauer und Betreiber der Strecken, die Bergisch-Märkische und die Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, verfügten auf dem Bahnhof Siegen über getrennte Betriebsanlagen, errichteten und nutzten das zweigeschossige Empfangsgebäude aber gemeinschaftlich bei bestehender Zweiteilung im Inneren. Nach Kriegszerstörungen bis 1952 wiederhergestellt, hat das Empfangsgebäude die jüngere Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes als verbliebenes Gebäude des 19. Jahrhunderts überlebt.

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