UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Rückbau des letzten Industriewehrs in Siegen beginnt

[14.04.2022] Als letztes Industriewehr im Stadtgebiet wird das Bauwerk in der Weiß in Kaan-Marienborn zurückgebaut. Bis Ende Oktober soll die komplexe Baumaßnahme des städtischen Entsorgungsbetriebs (ESi) abgeschlossen sein.

Mit dem Abriss des drei Meter hohen Wehrs wird die Weiß als Zufluss zur Sieg für Wanderfische und Kleinstlebewesen wieder durchgängig.

Bei einem Pressetermin vor Ort stellten Bürgermeister Steffen Mues, ESi-Betriebsleiter Stephan Roth und Stephan Klein, Geschäftsführer des zuständigen Ingenieurbüros Klapp und Müller, den Abriss und die naturnahe Wiederherstellung der Weiß an der Lothar-Irle-Straße vor.

„Zwei von drei größeren Wehren auf unserem Stadtgebiet wurden bereits zurückgebaut: Das erste ab Sommer 2014 in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Siegen-Ost, das zweite Wehr an der Hainer Hütte im Herbst bei der Firma Gontermann-Peipers Richtung Stadtmitte“, erinnerte Bürgermeister Mues im Rückblick. „Die Weiß ist in den letzten Jahren natürlicher und Siegen auch hierdurch ein Stück grüner geworden. Die Flüsse in Siegen haben in den vergangenen Jahren deutlich gewonnen.“

Die Kosten für den Rückbau und die naturnahe Wiederherstellung des Flusses betragen rund 1,2 Millionen Euro und werden zu 90 Prozent mit EU- und Landesmitteln gefördert. Mit "im Boot" ist auch die Fischereigenossenschaft Siegen, die die Baumaßnahme mit 10.000 Euro bezuschusst. Vorsitzender Gerhard Kötter übergab den symbolischen Scheck: „Künftig wird hier der atlantische Lachs wieder sein Habitat haben, die Weiß war noch im 19. Jahrhundert sein Laichgebiet. Der Lachs kann hier wieder aufsteigen und wird zurückkommen“, sagte Kötter.

Bereits in 2015 sollte die Maßnahme umgesetzt werden, wie ESi-Betriebsleiter Stephan Roth erläuterte. Allerdings musste diese wegen unerwarteter technischer Probleme abgebrochen werden. Zwei Jahre später wurde die daraufhin geänderte Planung von der Wasserbehörde genehmigt, aber aufgrund einer ausstehenden Kreuzungsgenehmigung der Deutschen Bahn AG nicht umgesetzt.

Die aktuelle Planung sieht vor, dass das Querbauwerk zu einer Gewässerrampe umgebaut wird, um den Höhenunterschied zu überwinden. Diese rund 100 Meter lange "Rampe" ahmt das natürliche Gefälle nach. Verschieden große Steine im Bachbett verwirbeln das Wasser und reichern es mit Sauerstoff an. In den Senken können sich kleine Bachbewohner ansiedeln.

Rund 120 Kubikmeter Beton müssen nun abgerissen werden, für den Neubau der Sohlgleite werden rund 900 Kubikmeter Boden bewegt und mehr als 1.000 Tonnen Wasserbausteine versetzt. Zusätzlich wird Röhricht gepflanzt, um die Ufer zu begrünen. Das Ziel ist nicht allein die Herstellung eines natürlicheren Flusslaufs, sondern gleichzeitig auch die Verbesserung der Wasserqualität, was sich in einer größeren und reicheren Vielfalt von Flora und Fauna auswirkt. Geschäftsführer Stephan Klein vom zuständigen Ingenieurbüro nannte den Abriss wie den Neubau "technisch extrem anspruchsvoll". Während der Bauarbeiten wird das Wasser über eine Heberleitung seitlich am Fluss vorbeigeführt.

Grundlage für die geförderte Maßnahme ist die Umsetzung der im Jahre 2000 in Kraft getretenen EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie zielt ab auf eine Wiederherstellung der Fließgewässer in einen guten, naturnahen Zustand. Mit dem Rückbau des Wehrs "Lothar-Irle-Straße" ist das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Stadtgebiet Siegen abgeschlossen.

Pressekontakt: Stadt Siegen ⋅ Referat für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Sabine Schutz ⋅ Telefon-Nr. (0271) 404-1220

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