UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

"Johann Moritz Quartier": Baumaßnahme beeinträchtigt Platanen-Standort

[08.04.2020] Die Platane im Bereich der Baustelle "Johann Moritz Quartier" in der Siegener Innenstadt kann mittelfristig nicht erhalten werden. Das hat ein detailreiches Gutachten eines Sachverständigen für Baumpflege ergeben.

Aus diesem Grund hat sich die Stadt Siegen dazu entschlossen, den Ratsfraktionen einen Beschluss zur Fällung des Baumes vorzuschlagen.

Die Platane wurde durch die bisherigen Abrissarbeiten bereits teilweise freigestellt, mit dem Abriss des Barmenia-Hauses wird sie vollkommen frei stehen. Dadurch ist der Baum Windlasten ausgesetzt, auf die er biomechanisch nicht eingestellt ist. Um die Verkehrssicherheit aufrechterhalten zu können, muss hier bereits ein Rückschnitt vorgenommen werden.

Mit dem bevorstehenden Austrieb vergrößert sich die Windangriffsfläche der Krone und somit auch die Gefährdung der Verkehrssicherheit. Deshalb ist nun eine Entscheidung notwendig. Sie soll im Vorfeld mit den ordentlichen Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses per Videokonferenz besprochen werden, um dann formal eine Dringlichkeitsentscheidung zu treffen.

Hintergrund ist, dass durch die Baumaßnahme starke Eingriffe in die Baumkrone der Platane erforderlich werden. „Nicht nur für den Neubau oder dessen Einrüstung, sondern auch in Folge der Abrissarbeiten sind starke Einkürzungen bzw. Kappungen an der Platane notwendig. Sie führen zu einer starken Asymmetrie der Baumkrone in Richtung des öffentlichen Verkehrsraumes“, erklärt Stadtbaurat Henrik Schumann. Aus statischen Gründen müssten dann weitere Schnittmaßnahmen durchgeführt werden, sodass im Ergebnis eine komplett eingekürzte Baumkrone, ein sogenannter Baumtorso, entstünde.

Da das neue Wohn- und Geschäftshaus laut den Bauplanungen näher am Baum stehen soll als das ursprüngliche Gebäude, wurde im Zuge des Gutachtens auch die Möglichkeit geprüft, den Neubau nicht näher an den Baum heranzusetzen. Da das Gebäude allerdings fünf Meter höher als das ursprüngliche Bauwerk sein wird, wären auch dann starke Einkürzungen an der Platane erforderlich.

„Betrachtet man die Summe der Eingriffe in die Baumstruktur, kommt das einer Kappung gleich. Aus fachlicher Sicht ist dies als Totalverlust des Baumes zu werten und deshalb unzulässig. Aus diesen Gründen haben wir uns dazu entschieden, die Fällung des Baumes vorzuschlagen, werden aber natürlich für hochwertigen Ersatz sorgen“, so Henrik Schumann. Nach dem Rückbau des vorhandenen Treppenaufgangs des Tiefbunkers könnte somit an fast gleicher Stelle eine für den Standort besser geeignete Baumart gepflanzt werden.

„Besonders wichtig ist uns hier natürlich die Qualität der Ersatzpflanzungen. So sollen zwei Großbäume mit einer Höhe von neun bis zwölf Metern und einer Kronenbreite von vier bis sechs Metern gepflanzt werden, um den Verlust der Platane zu kompensieren. Neben dem Baum, der dort gepflanzt wird, soll ein weiterer Baum in räumlicher Nähe seinen Standort finden“, erklärt Ralf Bergholz, Leiter der städtischen Grünflächenabteilung. Die neuen Bäume sollten sich langfristig an den Standorten entwickeln. „Neben der Auswahl einer stadtklimaverträglichen Baumart legen wir deshalb sehr viel Wert auf eine verbesserte Baumgrube mit ausreichendem Wurzelraum.“

Beratung am 8. April

Am Mittwoch, 8. April, hat ein Gedankenaustausch ohne Beschlussfassung der ordentlichen Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses stattgefunden, wobei der Termin aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie zeitgemäß als Videokonferenz durchgeführt wurde.

Ein Thema, das hierbei von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besprochen wurde, war die Platane im Bereich der Baustelle Bahnhofstraße, wo ein privates Großbauprojekt, das neue "Johann Moritz Quartier", realisiert wird. Die Verwaltung hatte der Politik im Vorfeld umfangreiche Unterlagen einschließlich Gutachten zur Verfügung gestellt; in der Sitzung konnten hierzu Fragen an Stadtbaurat Henrik Schumann und den Leiter der Grünflächenabteilung, Ralf Bergholz, gestellt werden - eine Möglichkeit, von der rege Gebrauch gemacht wurde.

Das Ergebnis der Beratung fasst Bürgermeister Steffen Mues wie folgt zusammen: „Wir haben uns darauf verständigt, dass der Beschluss in der geplanten Ratssitzung am 6. Mai gefasst wird. Damit ist die Dringlichkeitsentscheidung vom Tisch; ich denke, damit können alle Beteiligten gut leben.“

Aktuell wird davon ausgegangen, dass die Ratssitzung am 6. Mai nicht wie üblich im Großen Sitzungssaal im Rathaus Geisweid stattfinden kann; als Alternativort, der genügend Abstand der 66 Ratsmitglieder plus Bürgermeister, Beigeordnete, Verwaltungsmitarbeiter, Presse und Zuschauer ermöglicht, wird die Siegerlandhalle ins Auge gefasst. Hierzu wird rechtzeitig informiert.

Pressekontakt: Stadt Siegen ⋅ Referat für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Sabine Schutz ⋅ Telefon-Nr. (0271) 404-1220

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