UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Grußwort des Bürgermeisters zum Volkstrauertag am 15. November

[14.11.2020] "Wir dürfen nicht aufhören, der Toten und Vermissten der Weltkriege zu gedenken." Zum Volkstrauertag 2020 wendet sich Bürgermeister Steffen Mues mit einem Grußwort an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Siegen.

Liebe Siegenerinnen und Siegener,

den Volkstrauertag 2020 wollen wir auch in diesem Jahr mit Ihnen begehen - wenngleich auch die Universitätsstadt Siegen ihre jährliche Feierstunde auf dem Hermelsbacher Friedhof aufgrund der Corona-Pandemie absagen musste. Es ist mir ein Anliegen, den Volkstrauertag - wenn auch anders als gewohnt - trotzdem bewusst und nachdrücklich zu begehen. Um ein Zeichen dafür zu setzen, wie wichtig dieser Tag ist. Denn wir dürfen nicht aufhören, der Toten und Vermissten der Weltkriege zu gedenken.

Im Jahr 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Dieser Jahrestag steht ebenso im Zentrum des heutigen Volkstrauertages wie die darauffolgende Geschichte des Wandels. Eine Geschichte hin zu einem in Frieden vereinten Europa, das zugleich aber auch immer vor neuen Herausforderungen steht.

Der Volkstrauertag dient der kollektiven Erinnerung. Er erinnert an die unermesslichen Schrecken, an zahllose unschuldige Opfer, an unsagbares Leid. Er erinnert auch an Menschen, die ihr Leben riskiert haben, um andere zu retten. Die sich in der Not durch Menschlichkeit und Solidarität hervorgetan haben. Der Volkstrauertag ermahnt uns, von diesen Menschen zu lernen. Denn gerade in unruhigen Zeiten wie diesen sind zwei Dinge unendlich wichtig: Wir dürfen nicht vergessen, was für ein wertvolles Geschenk die Demokratie ist, in der wir leben. Und wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Geschenk etwas ist, das wir bewahren, pflegen und mit allen Kräften mitgestalten und schützen müssen.

Zeitzeugen helfen, die Vergangenheit nacherlebbar zu machen. Es ist unser aller Aufgabe, deren Gedächtnis für die Nachwelt zu bewahren. So schrecklich die berichteten Erlebnisse sind, so wertvoll sind diese Erinnerungen als Mahnmal für heutige und zukünftige Generationen. So schreibt der Weltkriegsveteran Heinrich Krümpelmann: „Ich erinnere mich noch genau an die Kondolenzschreiben, die die Hinterbliebenen meiner gefallen Kameraden erhalten haben. Dort wurde als Todesursache meist eine Schussverletzung genannt. Das klingt so nüchtern - aber ich sehe immer noch die schrecklichen Bilder vor mir und höre die Schreie der Verwundeten und Sterbenden.“

Das Grauen der Vergangenheit bestürzt und schmerzt, aber es als Emotion in unser heutiges Leben zu lassen, ist dennoch so wichtig. Die Lehre daraus ist eine Lehre für jeden von uns. Wenn es darum geht, Gesicht zu zeigen - gegen Terroristen, gegen Populisten, gegen jeden Angreifer unserer demokratischen Werte, unserer Verfassung und des Friedens, in dem wir leben und weiter leben wollen. Wir müssen uns mit allem Nachdruck gemeinschaftlich vom Hass abwenden, der sich durch Ängste und Unsicherheiten nährt. Dass wir uns heute um eine Zukunft kümmern, die die größtmöglichen Lehren aus der Vergangenheit zieht und danach handelt, sind wir auch unseren Kindern und Kindeskindern schuldig.

Die Gräber bleiben als steinerne Mahnmale, sie bleiben als Konfrontation mit den Folgen von Krieg und Gewalt. Dass auch die Erinnerung bleibt, liegt in unserer Verantwortung. Wir dürfen nie zulassen, dass in unserer Gesellschaft das Gefühl um sich greift, die Vergangenheit sei weit weg, betreffe uns nicht mehr und gehe uns nichts mehr an. Das Gegenteil ist der Fall.

Ihr

Steffen Mues
Bürgermeister

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