UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Bodenschutz

Was versteht man unter einem Boden?

Als Boden wird der belebte oberste Teil der Erdkruste bezeichnet. Nach unten wird er durch festes oder lockeres Gestein begrenzt, nach oben durch eine Vegetationsdecke und die Atmosphäre. Böden bestehen aus anorganischen Mineralien und dem organischen Humus, die zu einem Bodengefüge angeordnet sind. Die Hohlräume sind mit Bodenlösungen und Bodenluft gefüllt. Die Gefügestruktur macht den Oberboden für gewöhnlich krümelig, weshalb man in diesem Zusammenhang auch von der Bodenkrume spricht.

Ein Boden entwickelt sich sehr langsam. Die Menge an Erde, die ein Bagger in einer Minute ausgräbt, hat viele Jahrhunderte benötigt, um "Boden" zu werden. Es dauert im Durchschnitt 15.000 Jahre, bis ein Meter Boden entstanden ist.

Welche Funktion haben Böden?

Böden übernehmen wichtige Funktionen im Naturhaushalt:

  • Sie bilden die Grundlage für unsere Ernährung (Nahrungs- und Futtermittel, pflanzliche Rohstoffe).
  • Sie sind selbst Lebensraum für bodenwohnende Kleintiere.
  • Sie filtern Schadstoffe und können dadurch bis zu einem gewissen Grad das Grundwasser schützen.
  • Sie speichern Regenwasser und helfen so gegen Überschwemmung vorzubeugen.
  • Sie sind ein Archiv, das die vielfältigen Einflüsse aus der Natur- und Kulturgeschichte speichert und uns in der Gegenwart zugänglich macht.

Weitere vertiefende Informationen über die vielfältigen Funktionen von Böden erhalten Sie im Internetportal: Bodenwelten.de .

Warum sind Böden Schützenswert?

Böden sind die Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Da Boden eine begrenzte Ressource ist, die bei einem allzu sorglosen Umgang auch schnell verloren gehen kann, ist ein weitreichender Bodenschutz lebenswichtig.

Die Böden im Stadtgebiet Siegen

Auch im Stadtgebiet Siegen haben sich im Laufe der Jahrtausende je nach den örtlichen Standortverhältnissen unterschiedliche Bodentypen entwickelt. Dies zeigt ein Ausschnitt aus der Bodenkarte. Typisch für den Raum Siegen sind Bodentypen mit der Bezeichnung "Braunerde". Sie sind unterschiedlich mächtig entwickelt (Bodentiefe von ca. 30 bis 100 cm, selten mehr). Im Bereich von Stauwassereinfluss haben sich sogenannte "Pseudogley-Braunerden" entwickelt. Im Einfluss von Grundwasser (in den Talauen) haben sich "Gleye" ausgebildet.

Eine neue Gruppe von Böden ist durch überwiegend menschlichen Einfluss entstanden bzw. entwickelt sich noch. Diese Böden werden als "Siedlungsböden" bezeichnet. Die Böden im Freiland sind oft sehr steinig und lehmig. Sie weisen eine vergleichsweise geringe Entwicklungstiefe auf und haben nur ein begrenztes Nährstoffangebot. Aufgrund der verbreiteten Hanglagen im Stadtgebiet dienen sie überwiegend einer extensiven Landwirtschaft bzw. einer Grünlandnutzung oder als Waldstandort.

Die das Stadtgebiet Siegen abdeckende Bodenkarte L 5114 im Maßstab 1:50.000 können Sie bei der Abteilung Umwelt einsehen oder direkt beim Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen bestellen.

Reichsbodenschätzung

Die bereits im Jahr 1934 begonnene und flächendeckend in Deutschland durchgeführte Reichsbodenschätzung stellt als Ergebnis eine Bodenkarte für die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche dar. Sie beschreibt die Beschaffenheit von Böden und deren Ertragsfähigkeit aufgrund der natürlichen Standortbedingungen. Die Ertragsfähigkeit eines Bodens wird dabei mit Wertzahlen von 0 (nicht vorhanden) bis 100 (optimaler Ertrag) geschätzt. Auch heute noch geben die Karten der Reichsbodenschätzung wertvolle Informationen bei ökologischen und landwirtschaftlichen Fragestellungen.

Die natürlichen Freilandböden im Stadtgebiet Siegen weisen meist geringe bis mittlere Ertragsfähigkeiten auf (Wertzahlen der Bodenschätzung zwischen 20 und 60). Wenn Sie sich über die Ertragsfähigkeit der Böden im Stadtgebiet Siegen oder in Ihrem Wohnumfeld informieren möchten, können Sie sich an das Kataster- und Vermessungsamt des Kreises Siegen-Wittgenstein wenden.

Beeinträchtigungen von Böden

Böden werden durch vielfältige, meist durch den Menschen verursachte Eingriffe bedroht. So weisen Böden in Siedlungsbereichen teilweise Schadstoffbelastungen auf, die die menschliche Gesundheit oder den Wasserhaushalt gefährden können ("Altlasten"). Durch Bautätigkeiten werden Böden versiegelt, abgegraben oder verdichtet. Durch landwirtschaftliche oder forstliche (Über-)Nutzung kann es zu gravierenden Bodenverlusten durch Bodenabtrag (Erosion) kommen. Weitere Informationen zu den Beeinträchtigungen von Böden erhalten Sie beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

Einen ersten Überblick über die Belastung der Böden im Stadtgebiet Siegen gibt der 

Boden- und Altlastenbericht der Stadt Siegen aus dem Jahr 2002.

Bodenschutz bei Bauarbeiten

Abgekippter Erdaushub auf einer Baustelle

Da insbesondere bei Bauarbeiten Böden starken Beeinträchtigungen ausgesetzt sind, informieren zwei Dokumente der Abteilung Umwelt über Möglichkeiten zum Schutz der Böden:

Faltblatt: Bodenschutz bei Bauarbeiten

Faltblatt: Bodenschutz

Zusätzliche Hinweise zum Thema "Bodenschutz beim Bauen" finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Rechtliche Grundlagen des Bodenschutzes

Am 1. März 1999 sind die Vorschriften des Bundes-Bodenschutzgesetzes (Bundesgesetzblatt - BGBl. I, Seite 502 folgende) in Kraft getreten, die die Voraussetzungen für einen wirksamen Bodenschutz und die Sanierung von Altlasten schaffen.

In Ausführung des Bundes-Bodenschutzgesetzes ist am 30. Mai 2000 auch das Landesbodenschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Als wichtige ergänzende Bestimmungen, die dem vorsorgenden Bodenschutz dienen, wurde hier z. B. verankert:

  • Anzeigepflicht vor dem Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden.
  • Prüfpflicht für Behörden, ob vorrangig eine Wiedernutzung von bereits versiegelten, sanierten, baulich veränderten oder bebauten Flächen möglich ist.
  • Meldung schädlicher Bodenveränderungen oder Altlasten an die zuständige Bodenschutzbehörde.
  • Meldung von Daten aus Bodenuntersuchungen an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.
  • Möglichkeit, Bodenschutzgebiete dann auszuweisen, wenn schädliche Bodenveränderungen flächenhaft auftreten oder zu erwarten sind.
  • Schaffung eines landesweiten Bodeninformationssystems, um die Kenntnisse über den Bodenzustand zu verbessern und Daten systematisch und zielgerichtet aufbereiten und austauschen zu können.

Durch einen effektiven Vollzug des neuen Bodenschutzrechts des Bundes sowie des nordrhein-westfälischen Landesbodenschutzgesetzes soll eine stärkere Beachtung der Belange des Bodenschutzes in anderen Rechtsgebieten erfolgen und eine Wende bei der bislang noch fortschreitenden Belastung des Bodens gelingen.

Weitere Informationen finden Sie beim Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Häufige Fragen zum Bodenschutz

Im Internetportal www.bodenwelten.de erhalten Sie Antworten auf häufige Fragen zum Bodenschutz wie beispielsweise

  • Was ist Boden und wie entsteht er?
  • Welche unterschiedlichen Böden gibt es?
  • Warum sollte der Boden geschützt werden?
  • Was kann ich zum Bodenschutz beitragen?
  • Wie dünge und kompostiere ich richtig?
  • Gehört Torf in den Garten?
  • Darf ich im Winter Salz streuen?
  • Werden Entsiegelungsmaßnahmen gefördert?
  • Kann ich Boden beim Hausbau schützen?

Vorsorgender Bodenschutz

Die beste Möglichkeit Bodenbelastungen zu vermeiden besteht darin, erst gar keine bodenbelastenden Substanzen zu verwenden und bodenschonende Methoden anzuwenden. Hier bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Weitgehender Verzicht/Einschränkung bei der Verwendung von Pflanzenbehandlungsmitteln, Fungiziden oder sonstigen Pestiziden sowie künstlichen Düngern. Stattdessen biologischer Pflanzenschutz sowie der Einsatz von Kompost und Mulch.
  • Eingeschränkter Einsatz von Auftaumitteln (Streusalz) im Winter. Stattdessen Verwendung von Splitt.
  • Entsiegelung von versiegelten Flächen (Einfahrt, Hofflächen, Zuwegungen u. ä.).
  • Naturnahe Gestaltung des Gartens.
  • Eigenkompostierung sowie Müllvermeidung, -reduzierung, -trennung, Recycling.

 

 

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