UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Villa am Kirchweg 10 in Siegen

Vorderseite einer Ansichtskarte aus dem Bestand 704, Nr. 5186 (Vorlage: Stadtarchiv Siegen)
Rückseite einer Ansichtskarte aus dem Bestand 704, Nr. 5186 (Vorlage: Stadtarchiv Siegen)
Aufname der Siegener Villa am Kirchweg 10 (Vorlage: Stadtarchiv Siegen)

Die vorliegende Schwarz-Weiß-Aufnahme aus der Fotosammlung des Stadtarchivs (Bestand 704) - es handelt sich um eine beschnittene, undatierte Foto-Ansichtskarte - zeigt die Villa am Kirchweg 10. Das Foto wurde im Rahmen der 775-Jahr-Feier der Stadt Siegen und der Veranstaltung "Villen in Siegen" am 29. und 30. Mai 1999 von Frau Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe in die 1950er Jahre datiert, könnte aber schon viel früher aufgenommen worden sein. Darauf deuten Materialbeschaffenheit, Erhaltungszustand sowie Gestaltung der Kartenrückseite mit Klebe- und Papprückständen (offenbar wurde die Bildvorlage aus einem Fotoalbum mit stabilen Kartonseiten entfernt) und einem unbeschriebenen Schrift- und Adressfeld hin. Die lichtempfindliche Emulsionsschicht der bildlichen Darstellung ist punktuell bereits angegriffen. Zudem führten mechanische Einwirkungen (Knickspuren und Fingerabdrücke sind deutlich erkennbar) zu weiteren Beeinträchtigungen. Das Motiv zeigt insofern auch die Herausforderungen bei der technischen Bearbeitung und Konservierung historischer Fotografien. In ihrer informativen Begleitbroschüre zur Villa am Kirchweg 10 aus dem Jahr 1999 hat Frau Prof. Dr. Blanchebarbe glücklicherweise die wichtigsten geschichtlichen und familiären Hintergründe zusammentragen können. Ohne solche Grundlagen erschließt sich häufig erst (wenn überhaupt) auf den zweiten Blick die Bedeutung eines fotografierten Einzelgebäudes für die städtebauliche Entwicklung. Um eine frühe bildliche Darstellung bzw. deren Informationswert dauerhaft erhalten zu können, ist neben der zu leistenden Recherchetätigkeit für eine möglichst akkurate inhaltliche Erschließung (Bildbeschreibung) auch eine sachgemäße Aufbewahrung in einem abgedunkelten, klimatisierten Magazinraum unerlässlich.

Die Villa am Kirchweg 10 gehört zu den wenigen authentischen Villengebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert, die den Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung der Stadt Siegen am 16. Dezember 1944 weitgehend unbeschadet überdauert haben. Das Grundstück gehörte ursprünglich dem Fabrikanten Carl Eberhard Weiss (1841-1904), der das Areal bereits 1871 erworben hatte, es aber später aufteilte und die Hälfte seinem Schwiegersohn als Bauland zur Verfügung stellte. Ganz in der Nähe hatte Weiss zunächst eine Schmiedewerkstatt gegründet, bevor er 1899 zur "Siegener Stanz- und Hammerwerk GmbH" expandierte. Sein Schwiegersohn war der Mediziner Dr. Wilhelm Klaas (1873-1955), der am 14. Februar 1901 Hedwig Weiss (1878-1967) heiratete und zwischen 1908 und 1909 als Bauherr der repräsentativen Villa in Erscheinung trat. Die Familie Klaas - das Ehepaar hatte sechs Kinder - bewohnte das Haus in den kommenden Jahrzehnten und machte es zu einem architektonischen Aushängeschild der gehobenen Siegener Wohnkultur und Industriellengeschichte. Seit 1996 steht das im neobarocken Stil errichtete Gebäude unter Denkmalschutz. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Wohnhaus mit verschiefertem Mansarddach. Auf der rechten Seite des Baukörpers sticht dezent ein zweieinhalbgeschossiger, übergiebelter Mittelrisalit hervor, dem wiederum ein dreiseitig gebrochener, eingeschossiger Erker vorgelegt ist. Der Hauseingang (an der Ecke der vorliegenden Fotografie übrigens ein weißes Hinweisschild mit der Aufschrift "Dr. W. Klaas") befindet sich auf der rechten Seite. Der handschriftliche, mit Bleistift aufgetragene Hinweis auf den Bauherrn Dr. Wilhelm Klaas auf der Rückseite wurde übrigens erst nach erfolgter Identifizierung hinzugefügt.

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand 704, Nr. 5186

Diese Website benutzt Cookies
Wir benutzen Cookies, um unsere Website stetig zu verbessern. Wenn Sie ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen auf unserer Seite weitersurfen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
x