UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Plan der von Johann Moritz zu Nassau-Siegen projektierten Umgestaltung des Nassauischen Hofes aus dem Jahr 1648

Vom Siegener Landesherrn Johann Moritz Graf zu Nassau-Siegen (1604-1679), damals noch nicht in den Reichsfürstenstand erhoben, stammt ein Entwurf aus der Mitte des 17. Jahrhunderts zur Ergänzung des Bollwerks am Kölner Tor und zur Errichtung zweier Galerien im Innenhof des "Nassauischen Hofes", der im Stadtarchiv Siegen als Kopie aus dem 19. Jahrhundert überliefert ist. Zu dem Plan gehört ein Schreiben mit der Überschrift "Vohrschlag von Graf J[ohann] Moritz von Naßauw wie man die Stadt Siegen ahm Köller Thor sehr konte verzieren und versterken, Siegen den 1/11 Martij 1648".

Johann Moritz sicherte der Stadt Siegen zu, die vorhandene Bausubstanz des Nassauischen Hofes (Residenz der reformierten Linie von Nassau-Siegen) in ihrem Grundbestand nicht anzutasten, sondern lediglich zu überbauen und eine andere Innenraumaufteilung vornehmen zu lassen. Der gräfliche Bauplan ist um exakte Abmessungen bemüht und mit einem Längenmaß versehen. Die Zufahrt zur Residenz, heute als "Zugbrücke" bekannt, sollte nach den Vorstellungen von Johann Moritz durch einen als "Corps de garde" (Wachhaus) beziehungsweise "Camer" und "Stub" bezeichneten zweiräumigen Gebäudeabschnitt führen. Die Neugestaltung sollte des Weiteren einen laubengangähnlichen, einstöckigen Anbau - ergänzt durch eine zweite, auf die entstehende Fürstengruft zulaufende Galerie - auf der Gartenseite an den nordwestlichsten Abschnitt der Stadtmauer führen. So konnte eine überdachte Passage von dem wuchtigen Turm am Kölner Tor zum sogenannten "Schaufelturm" und zur Familiengruft geschaffen werden, die den Zugang zu mehreren stilvollen Aussichtspunkten ("belles vues") auf das Tal und die fürstlichen Gärten im Siegtal freigab. Wie Archäologen im Jahr 1996 herausfanden, wurde der Entwurf von 1648 in den Jahren 1668 bis 1670 mit leichten Varianten verwirklicht, darunter auch die erwähnte Galerie.

Immer wieder wurden in der Vergangenheit Vermutungen geäußert, dass der in dem Bauplan links oben eingezeichnete und alles überragende "hohe Torn ihm Coller thor" (hohe Turm im Kölner Tor) identisch gewesen sei mit dem Standort des späteren "Dicken Turms". Wissenschaftliche Untersuchungen haben dies jedoch widerlegen können. Durch den verheerenden Siegener Stadtbrand von 1695, der auch den Nassauischen Hof zerstörte, wurden alle bis dahin getätigten Umbaumaßnahmen zunichte gemacht. An ihrer Stelle sollte das 1720 vollendete Untere Schloss entstehen.

 

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand 752, Nr. 371

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