UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Das "Kollektenbuch" für die Hohen Schule in Siegen vom 2. August 1608

Die Titelseite des Kollektenbuchs Graf Johanns VII. vom 2. August 1608

Die 1584 von Johann VI. Graf zu Nassau (1536-1606) gestiftete "Academia Nassauensis" mit Sitz in Herborn gehörte zu den wichtigsten Bildungsstätten ihrer Zeit. Bereits zehn Jahre nach ihrer Gründung wurde die Hohe Schule zum ersten Mal nach Siegen verlegt. Die Ortsveränderung lag im Wesentlichen an der Unzufriedenheit des Landesherrn mit der Situation in Herborn, konkret an der Wohnungsnot und an der unzureichenden Infrastruktur vor Ort. 1599/1601 erfolgte die Rückverlegung der Hohen Schule nach Herborn. Wegen des Ausbruchs der Pest musste die Institution 1606 abermals nach Siegen umziehen. Der Landesherr ließ nichts unversucht, sein pädagogisches Prestigeobjekt weiterzuentwickeln und die erneute Niederlassung in Siegen zu subventionieren. Ein Zeugnis dieser Zuwendungen zur Unterstützung und Förderung der Bildungseinrichtung stellt die Abschrift eines sogenannten "Kollektenbuchs" vom 2. August 1608 im Bestand des Stadtarchivs Siegen dar. Das von der Stadt Siegen und dem Notar Johann Friedrich Löscher beglaubigte Dokument trägt den Titel: "Verzeichnüs der freiwilligen Gaben, so von Chur- und Fürstlichen, Gräfflichen und Herrnstandts wie auch Adelichen und andern Vornemen, gutthertzigen Persohnen zur Gräfflichen Nassau Catzenelnbogischen Schulen, geschenckt und verehrt worden [...]". Auf Veranlassung des Siegener Landesherrn Graf Johann VII. "der Mittlere" zu Nassau-Siegen (1561-1623) wurde ein aktives "Sponsoring" betrieben, um den Lehrbetrieb in Siegen zu unterstützen. In dem Dokument sind die finanziellen Zuwendungen zur standesgemäßen Ausstattung der "scholam publicam" mit ihren vier Fakultäten Theologia, Jurisprudentia, Medicina und Philosophia aufgelistet, "[...] damit die Praeceptores und Professores ihr Ampt desto beßer verrichten könten, und an büchern keinen mangell hetten." Erwähnung fanden in diesem Zusammenhang sogar die "publicis professionibus" (Fachbücher) für die Professoren, Präzeptoren und Studierenden in der "publicam Bibliothecam", welche seither "[...] immedar, unnd stehts, umb ettwas ist verbeßertt worden, und noch järlichs verbeßert würdt." Zu den ranghohen Spendern gehörten unter anderem Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz (1574-1610), gemeinsam mit seiner Gemahlin Luise Juliana, geborene Prinzessin von Oranien (1576-1644), Christian I. Fürst zu Anhalt-Bernburg (1568-1630), Johann VII. "der Mittlere" Graf zu Nassau-Siegen (1561-1623) mit seiner zweiten Gemahlin Margaretha, geborene Herzogin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg (1583-1658), Georg Graf zu Nassau-Beilstein (1562-1623), Johanetta Gräfin zu Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez, geborene Gräfin zu Sayn-Wittgenstein (1561-1622, die Witwe des verstorbenen Grafen Johann VI.), Wolfgang Ernst Graf zu Isenburg-Büdingen (1560-1633) und Philipp Ludwig II. Graf von Hanau-Münzenberg (1576-1612). Daneben beteiligten sich aber auch Angehörige der Siegerländer Adelsfamilien von Seelbach und von Langenbach (in Herdorf-Sassenroth) sowie Bürger und Stadtschöffen aus Siegen an der großzügigen Sammlung. 

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand A, Nr. 3173

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