UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Das Adelsdiplom für Heinrich von Achenbach (1829-1899)

Am 5. Mai 1888 wurde Siegens Ehrenbürger Dr. Heinrich Karl Julius Achenbach vom König von Preußen (und Deutschen Kaiser) Friedrich III. in den erblichen Adelsstand erhoben. Das in einer dekorativen Schatulle mit preußischem Adler und Metallverschlüssen befindliche Adelsdiplom besteht aus gebundenen, handbeschriebenen Pergamentseiten und ist in Samt eingefasst. Da Friedrich III. schon auf den Tod erkrankt war, unterzeichnete für ihn Kronprinz Wilhelm, der noch im selben Jahr seinem Vater als Kaiser Wilhelm II. nachfolgte. Die Krone gewährte dem Siegener Ehrenbürger "nebst seinen bereits vorhandenen und künftigen rechtmäßigen ehelichen Leibes-Erben und Nachkommen des Mannsstammes, beiderlei Geschlechts, um ihn ein dauerndes Denkmal Unserer besonderen Huld und Gnade zu stiften, in den erblichen Adelstand Unserer Monarchie und Lande und verleihen ihm und seinen sämmtlichen vorgedachten Nachkommen alle Gerechtsame, Ehren und Vorzüge dieses Standes, insbesondere das Recht: 'von' sich zu nennen und zu schreiben, sowie das hiernach beschriebene Wappen und Kleinod: Nämlich einen silbernen Schild, darin eine oben von zwei rothen Rosen begleitete, aufgerichtete schwarze Wolfsangel. Auf dem oberen Schildesrande ruht ein rothgefütterter, mit goldenen Bügeln und Einfassungen und anhangendem goldenen Kleinod geschmückter und mit einer adeligen Krone gekrönter, offener stählerner Turnierhelm mit rechts rothsilbernen, links schwarzsilbernen Helmdecken, auf dessen Krone zwischen einem offenen, oben mit je einer rothen Rose belegten silbernen Fluge die Wolfsangel steht." Das Adelsdiplom im Bestand des Stadtarchivs Siegen ist Teil des Familien-Nachlasses und nicht nur ein Unikat, sondern das Zeugnis einer politischen Karriere in Preußen.

Heinrich (von) Achenbach kam am 23. November 1829 in Saarbrücken zur Welt. Sein Vater Eoban Heinrich Moritz Achenbach (geboren am 28. April 1795 in Siegen, gestorben am 4. Juli 1865 in Siegen) war Kassen-Kontrolleur am Königlichen Bergamt Saarbrücken. Nur wenige Monate nach der Geburt des Sohnes erfolgte die Rückkehr der Familie nach Siegen. Heinrich legte 1849 in Soest das Abitur ab und promovierte 1854 zum Dr. jur. an der Universität Bonn. Daraufhin betätigte er sich als Justitiar beim Oberbergamt Bonn. 1859 erfolgte seine Ernennung zum Kreisrichter in Siegen und die Habilitation zum Professor für deutsches Recht an der Universität Bonn. Drei Jahre später wurde er als Oberbergrat in das preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten nach Berlin berufen. Als Mitbegründer der freikonservativen Partei (1866) avancierte er bis zu seinem Lebensende zum Abgeordneten im Preußischen Landtag für den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein. Im Jahr 1871 stieg er zum vortragenden Rat im Reichskanzleramt auf und wurde ein Jahr darauf Unterstaatssekretär im Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten. Ebenfalls als Unterstaatssekretär betätigte er sich 1873 im Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Aufgrund seiner vielfältigen politischen Verdienste wurde er noch im gleichen Jahr zum Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten berufen, doch bereits 1878, nach einem Zerwürfnis mit Reichskanzler Bismarck, trat Heinrich Achenbach zurück. Heinrich Achenbach wurde daraufhin Oberpräsident der Provinz Westpreußen in Danzig. 1879 erfolgte seine Berufung zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg. Während dieser Zeit erhielt er den Auftrag, den späteren Kaiser Wilhelm II. in die Verwaltungsgeschäfte einzuführen. Am 8. Februar 1887 wurde Heinrich Achenbach Ehrenbürger der Stadt Siegen, am 5. Mai 1888 wurde ihm der erbliche preußische Adelstitel verliehen. Heinrich von Achenbach verstarb am 9. Juli 1899 in Potsdam.

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand 301, Familienarchiv Achenbach

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