UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Abschätzungsprotokoll zum Brandkataster der Stadt Siegen

Auszug aus einem Abschätzungsprotokoll zum Brandkataster der Stadt Siegen

Eine Vielzahl von Bränden hat die Stadt Siegen in den letzten Jahrhunderten erleben müssen. Eine der bekanntesten Feuersbrünste war der Siegener Stadtbrand im Jahr 1695, der binnen kürzester Zeit große Teile der Stadt zerstörte. Ganze Häuserzeilen gingen in Flammen auf und nahmen den Betroffenen ihr gesamtes Hab und Gut. Diese und andere Brandkatastrophen veranlassten die nassau-oranische Landesregierung 1774 zur Einrichtung einer Feuerversicherung, der sogenannten Brandassekuranz. Die Verordnung verpflichtete "alle Bedienten und Unterthanen der Fürstl. Nassauischen Lande, in Städten, Flecken, Dörfern und Höfen, welche eigenthümliche schatzbare Häuser, oder sonstige Gebäude besitzen, sind verbunden, in dieser Brandassecurazions-Societät zu treten." Der Grundstein des solidarischen Brandversicherungswesens war gelegt und sollte im Bedarfsfall den Brandgeschädigten im angemessenen Maße zugeteilt werden. Für die Taxierung der Beiträge war jede Gemeinde angehalten, ein Brandkataster aufzustellen. Dieses diente zur Erfassung und Nummerierung einzelner Gebäude. Die zugehörige Nummer wurde auf einem Blechschild am Haus angebracht. Erfahrene und bestellte Handwerksmeister nahmen unter anderem die Taxierung der Häuser vor. In Abschätzungsprotokollen wurden die einzelnen Objekte nach ihrem Bauzustand kategorisiert. Hieraus ergab sich der zu zahlende Beitrag für die Aufnahme in die Feuerversicherungsanstalt sowie die Einschreibung ins Brandversicherungskataster.

Die vorliegende Archivale aus dem Bestand C, Nr. 3370 des Stadtarchivs Siegen stellt den Vordruck eines Abschätzungsprotokolls des Gebäudes Nr. 442 der Löhrstraße in der Siegener Oberstadt dar. Vereidigte Taxatoren bewerteten am 4. Februar 1828 ein Wohnhaus des Siegener Textilfabrikanten Egideon Glaeser, welches "ganz von Fachwerk, dreystöckig, mit einem einfachen Dache versehen und mit Schiefer gedeckt" war. Das Abschätzungsprotokoll gibt auch weitere Hinweise auf den allgemeinen Gebäudezustand sowie den Wertzustand der einzelnen Bauelemente, die im Brandfall zerstört werden könnten. Die gemeinsame Unterzeichnung des Protokolls durch die Taxatoren sowie eines Nachfahrens des Egideon Glaeser bestätigten die Bewertung und die Aufnahme in das Brandkataster.

Übrigens wurde Recycling bereits vor einhundert Jahren groß geschrieben. Denn als das Fürstentum Siegen im Jahre 1815 an Preußen überging, gehörten Westfalen und Wittgenstein noch zu Hessen. Aus diesem Grund wurde das Fürstentum Siegen bei der Bildung der Provinzen Rheinland und Westfalen vorübergehend der preußischen Rheinprovinz zugeteilt und als ehemaliges nassauisches Gebiet dem Regierungsbezirk Ehrenbreitstein mit dem Sitz des Oberpräsidiums in Koblenz angegliedert. Erst 1817 wurde Siegen dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeteilt. Da aus dieser zweijährigen Amtszugehörigkeit wohl einige Formulare übrig geblieben waren, nutzte die Stadtverwaltung noch Jahre später Vordrucke mit dem Stempelaufdruck "Regierungsbezirk Coblenz" und sparte dadurch einiges an Papier.

 

Signatur: Stadtarchiv Siegen, Bestand C, Nr. 3370

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