UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

Schlachthof Siegen

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts erwog der Stadtrat die Einrichtung eines "[…] gemein Schlachthaus in der Metzgerstraße", weil das private Schlachten in den engen Gassen der heutigen Siegener Altstadt Geruchsbelästigungen und hygienische Missstände zur Folge hatte. Auch in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten führte das Schlachten in privaten Haushaltungen zu potenziell gesundheitsgefährdenden Zuständen. Infolge des Bevölkerungszuwachses im Zuge der Industrialisierung genehmigte die Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1884 die Anlage eines zentralen Schlachthauses in städtischer Regie in dem Vorort Hammerhütte. Am 1. Dezember 1886 erfolgte die feierliche Einweihung durch Oberbürgermeister Anton Delius.

Der Schlachthof bestand zunächst aus sieben Gebäuden. In den folgenden Jahren wurde die Anlage stetig erweitert und um einzelne Gebäude ergänzt. Die Aufgaben lagen abgesehen von der Funktion als zentraler Schlachtort sowie Umschlagplatz für Schlachtvieh im Bereich des Veterinärwesens mit tierärztlicher Lebensmittelüberwachung, Lebensmittelkontrolle, Schlachttieruntersuchungen und der Anzeige von Tierseuchen.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erfuhr der Betrieb mehrere Beeinträchtigungen. Neben dem Rückgang der Schlachtungen wurden durch Bombenangriffe einige der Hallen und Stallungen für Rinder und Schweine zerstört. Die Beseitigung der Kriegsschäden in den Nachkriegsjahren führte zur Modernisierung und zu Verbesserungen des Schlachtbetriebs. So stieg auch die Gesamtschlachtziffer zwischen 1945 und 1953 von 2.603 auf 18.716 Schlachtungen. Seit 1970 zog sich die Stadt Siegen zunehmend aus der Leitung des Schlachthofes zurück und die Interessengemeinschaft Fleischversorgung Siegen übernahm den Betrieb. Der städtische Schlachtbetrieb wurde schließlich 1992 geschlossen und ein Teil der Räumlichkeiten privatwirtschaftlich weitergenutzt. 1995 mietete das Unternehmen Wilhelm Pollmann den größten Teil des Areals, begann eigenständig mit einer Sanierung der historischen Gebäude und richtete einen Fleischgroßhandel mit angeschlossenem Abhol- und Verbrauchermarkt für Privatkunden und Gastronomiebetriebe ein. 2006 rückte das Gebäude zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit, als eine funktionale Änderung des Schlachthofgeländes diskutiert wurde. Neben der Idee von Ladenzeilen, einem Marktplatz oder der Anlage einer großen Grünfläche wurde auch der Abriss der historischen Gebäude in Betracht gezogen. Die Stadt Siegen entschied sich schließlich 2007 für den Verkauf der Anlage an die Fleischgroßhandlung Wilhelm Pollmann e.K. und den Fleischhandel Yükseloglu GmbH. Dabei erwarb die Firma Yükseloglu 3.500 Quadratmeter der Fläche, das Unternehmen Pollmann ein Areal von 6.000 Quadratmetern für die Fleischzerlegung und Wurstwarenproduktion. Die Gebäude wurden denkmalgerecht saniert.


Kurzfassung (Text auf der Acryltafel)

Der denkmalgeschützte ehemalige Schlachthof der Stadt Siegen wurde am 1. Dezember 1886 in Betrieb genommen. Besonders in den durch die beiden Weltkriege geprägten ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts leistete die von der Stadt Siegen geführte Einrichtung einen wertvollen Beitrag zur Lebensmittelversorgung der Bürgerschaft. Noch im Juni 1918 wurden 43 Stück Großvieh und 724 Stück Kleinvieh geschlachtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Gesamtschlachtungen zwischen 1945 und 1953 rapide von 2.603 auf 18.716 Tiere an. Ab 1970 zog sich die Stadt Siegen zunehmend aus der Leitung des Schlachthofs zurück, der 1992 geschlossen wurde. Seitdem erfolgt die gewerbliche Nutzung des Areals als Fleischgroßhandel mit angeschlossenem Abhol- und Verbrauchermarkt für Privatkunden und Gastronomiebetriebe.

GPS-Koordinaten (Breiten- und Längengrad):
50.868616, 8.006220

 

 

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