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50 Jahre
Städtische Galerie Haus Seel

Rückblick zur Entstehungsgeschichte der Städtischen Galerie Haus Seel


"Am 3. Februar verschied 72-jährig in Siegen die Witwe des Generalstaatsanwaltes Seel, Anna geborene Vorländer. Mit ihr ist eine der liebenswürdigsten Frauengestalten Siegens und eine feinempfindende Künstlerin dahingegangen".

[Dr. Hans Kruse, Gedenkartikel der Zeitschrift "Siegerland" im Jahre 1938]

Seit 1962 gibt es die Städtische Galerie Haus Seel, doch die Geschichte reicht sehr viel weiter zurück bis in die dreißiger Jahre. Damals lebte in Siegen am Löhrtor die Namensgeberin des Hauses, Anna Seel. Die engagierte Malerin vermachte ihr Haus der Stadt Siegen. Im Testament vom 3. Januar 1934 verfügte sie folgendes: "Mein Haus in Siegen, Löhrtor 6, fällt nach meinem Tode an die Stadt Siegen. Das Haus darf nie verkauft und nie vermietet werden. Die Stadt Siegen soll ein Museum für bildende Kunst in dem Haus errichten. In einem der Räume im Erdgeschoss soll eine wechselnde Ausstellung dauernd tagen. Der erste Stock soll für angekaufte Bilder benutzt werden. Als Grundstock für das neu zu errichtende Museum in meinem Hause, überweise ich folgende Gemälde: (...)"

Siegen, 9. November 1938 
Oberbürgermeister Fißmer an Herrn Museumsdirektor Dr. Kruse:

Ich habe veranlaßt, daß in dem Nachtragshaushaltsplan beim Haus Seel eingesetzt werden … für Ankauf von Möbeln 435 RM und für die Veranstaltung von Ausstellungen etc. 500 RM. Unter letzterer Position müßte dann im laufenden Jahr noch verbucht werden die Heizung und Beleuchtung, das Aufstellen des Ofens in dem unteren Zimmer und dergl. mehr. Ich hoffe, daß diese Position für die dort geplanten Ausstellungen genügt. 
Wie verabredet, werden wir dann die beiden unten rechts gelegenen Räume für die hiesigen Künstler für ihre Weihnachtsausstellung kostenlos zur Verfügung stellen. M.E. genügt es, wenn diese Ausstellung 3 - 4 Wochen vor den Feiertagen stattfindet. Aus den Räumen müßten die dort jetzt noch vorhandenen Gegenstände, abgesehen vielleicht von den Beleuchtungskörpern und den Gardinen, entfernt werden. Insbesondere der große Teppich kann ja dann auf keinen Fall bei dem starken Verkehr unten liegen bleiben. 
Zweckmäßig veranstalten Sie dann auch in den oberen Räumen zu gleicher Zeit eine sogen. Seel-Gedächtnis-Ausstellung. (…) Das eine oder andere Möbelstück, das für die Ausstellung hindernd im Wege steht, wird dann eben während dieser Zeit in das Schrank- und frühere Schlafzimmer gebracht. Ich kann mir schon denken, wenn aus dem großen Zimmer das eine oder andere entfernt wird, wird der Eindruck dieses Zimmers bestimmt gehoben und Sie haben dann auch mehr Gelegenheit zum Aufhängen des einen oder anderen Gemäldes und zum Aufstellen der vermachten Kunstgegenstände.  
Zweckmäßig vielleicht, daß Sie die beiden ineinandergehenden Räume gleich so einrichten, daß sie bis zur endgültigen Verwendung bleiben können und daß Sie in dem Atelierzimmer alle die Gegenstände aufhängen und ausstellen, die uns nicht testamentarisch vermacht sind, also nachher von den Erben abgeholt werden.  
Wenn wir in dieser Weise über das Haus verfügen und die Ausstellungen dort veranstalten  - und zwar für jene Zeit - , dann glaube ich, daß wir damit auch, wenigstens für das laufende Rechnungsjahr, dem Willen des Erblassers genügt haben.

Eröffnung des Siegener Hauses der Kunst, Siegener Zeitung, 5. Dezember 1938


Siegen, 5. Dezember 1938
Gedächtnisausstellung Anna Seel und Weihnachtsausstellung der Siegerländer Künstler
Ein Testament legt den Grund zu einem städtischen Kunstmuseum. 
 
Im Hause Löhrtor 6, das als Vermächtnis der kunstfreudigen Siegener Bürgerin Frau Anna Seel in die Obhut der Stadt genommen wurde und nun seiner ihm von der Besitzerin zugedachten Bestimmung als Siegener Haus der Kunst übergeben worden ist, versammelten sich gestern die Vertreter der Stadtverwaltung, der Partei und der Wehrmacht, der Bürgerschaft und der Künstlerschaft zur feierlichen Eröffnung der beiden in den großen und lichten Räumen des Hauses untergebrachten Ausstellungen, die Dr. Kruse im Auftrage des erkrankten Oberbürgermeisters Fißmer vornahm.  Unter den Anwesenden bemerkte man als Beauftragten der Partei den Kreishauptstellenleiter für Kultur, Friedrich Oberstleutnant Hoßfeld, den Vereinsführer des Siegerländer Heimatvereins, Bergassessor Dresler, Regierungs- und Baurat Philippi, als Vertreter der Schulen Oberstudiendirektor Dr. Becker-Weidenau, Oberstudienrat Dr. Koch-Siegen und Oberstudienrätin Schäfer-Siegen sowie weitere leitende Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben unserer Stadt.  (…) Dr. Kruse gedachte in einer kurzen Ansprache der Stifterin des Hauses und wußte in den Räumen, in denen sie lebte und sich mit ihren künstlerischen Neigungen beschäftigte und in denen der Geist dieser stillen einzigartigen Frau Lebendig geblieben ist, ihr Bild noch einmal warm und hell erstehen zu lassen. (…) Frau Seel kannte die Not der Siegerländer Künstler und wußte, wie notwendig es ist, daß sie in regelmäßigen Ausstellungen vor der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihre Leistungen ablegen und neue Anregungen für ihr Schaffen finden können. (…) In dem von der Stifterin für die lebenden Künstler zur Verfügung gestellten Raum, der für die gegenwärtige Weihnachtsausstellung noch durch zwei Räume erweitert worden ist, soll nicht nur die Kunst des engeren Siegerlandes in wechselnden Ausstellungen vertreten sein, sondern man wird auch Künstlern aus dem weiteren westdeutschen Raum und noch darüber hinaus zu Ausstellungen heranziehen, mit denen der Kunstsinn in der Bevölkerung gefördert und das Schaffen unserer heimischen Künstler befruchtet werden soll.  Die erste Siegerländer Kunstausstellung in diesem Hause ist der Beweis dafür, wie reichhaltig, umfangreich und innerlich kraftvoll das künstlerische Schaffen in unserer Heimat ist. Man hat immer wieder die Auffassung gehört, daß das Siegerland zu schwerblütig und hart sei, um der Kunst guten Nährboden geben zu können, daß der Rhythmus der Arbeit hier einen anderen, beschwingteren Rhythmus nicht aufkommen lasse. Es fehle hier die musische Begabung und der künstlerische Sinn. Wenn das im allgemeinen auch richtig sei, so erklärte Dr. Kruse, so habe sich doch auf der anderen Seite immer wieder gezeigt, daß die aus dem Siegerländer Boden hervorgegangenen künstlerischen und geistig schöpferischen Menschen es zu beachtlicher Höhe in ihrem Schaffen gebracht hätten. Es brauche dabei nicht so sehr an Jung-Stilling und den nicht aus Siegerländer Blut gekommenen großen Meister Peter Paul Rubens gedacht zu werden, als vielmehr an die Namen bekannt gewordener Siegerländer aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, die Scheiner, Reusch und Heupel.

Kunstmaler Hans Achenbach sprach als Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Siegerländer Künstler der Verstorbenen den Dank der Künstlerschaft für ihr Vermächtnis aus, das nun auch ihnen die Stätte gegeben hat, an der sie von ihrem  Schaffen Zeugnis ablegen können.

Haus Seel wird am 16. Dezember 1944 bombardiert und zerstört


Bis zum verheerenden Bombenangriff auf Siegen am 16. Dezember 1944, bei dem das Haus völlig zerstört wurde, hat die Stadt es im Sinne von Anna Seel betrieben. Nur eines der eigenen Werke von Anna Seel konnte dank eines glücklichen Umstands erhalten werden, es befand sich zu der Zeit im Museum am Oberen Schloss. Das Ölgemälde, das den Blick auf Alt-Siegen nach einem Gemälde von Scheiner zeigt, hängt heute im Eingangsbereich der Städtischen Galerie Haus Seel.

Nachdem ein Wiederaufbau des Gebäudes in seiner ursprünglichen Form nicht möglich war, veräußerte die Stadt das Grundstück in den fünfziger Jahren an die katholische Kirchengemeinde. Der Erlös wurde für den Kauf des Grundstücks am Kornmarkt 20 verwendet, auf dem heute die Pfeil interner Link Städtische Galerie Haus Seel zu finden ist.



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Haus Seel, Am Löhrtor 6, Siegener Zeitung, Nr. 133 vom 10.06.1939

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