Stadtbildoffensive
Forum Innenstadt am 12. April 2011
Das Forum Innenstadt wurde mit Beginn des REGIONALE 2013-Prozesses als Beteiligungs- und Steuerungsinstrument installiert und setzt sich zusammen aus Vertretern der Händlerschaft und Hauseigentümer sowie der Politik, Universität, Industrie- und Handelskammer und Stadtverwaltung Siegen.
Mit den gestalterischen Möglichkeiten und Maßnahmen im innerstädtischen Bereich befasste sich das Forum Innenstadt in einer gut besuchten öffentlichen Sitzung am Dienstag, 12. April 2011, um 17.00 Uhr, im Atriumsaal der Siegerlandhalle, Koblenzer Straße 151, 57072 Siegen.
"Denn", erklärte Stadtbaurat Michael Stojan, "begleitend zu dem Investitionsprojekt
»Siegen - Zu Neuen Ufern« gilt es, noch weitere Weichen im Hinblick auf die Neu- und Umgestaltung der Siegener Innenstadt zu stellen - beziehungsweise dazu, geeignete Ideen zu entwickeln und umzusetzen". Ein Ziel sei es, so Stojan weiter, die bauliche Gestaltung der Innenstadt zu verbessern, das Bewusstsein der Bevölkerung für die noch vorhandenen erhaltenswerten Gestaltungsmerkmale zu wecken und deren Bewahrung und Weiterentwicklung zu fördern.
Als wirksame Instrumente dazu wurden von Isabel Rehm, Leiterin der Abteilung Stadtplanung, der im Entwurf vorliegende Gestaltungskompass, ausgewählte Beispiele für Bauberatungen, die bisherigen Ergebnisse aus dem "Workshop: Chancen zur Erhaltung des Stadtbildes" im Rahmen des Geschichtsforums Wiederaufbau sowie erste Ansätze der in Aufstellung befindlichen Gestaltungssatzung für Siegen-Mitte vorgestellt. Die beschriebenen Maßnahmen sind Bausteine der "Stadtbildoffensive", die von Stadtbaurat Michael Stojan initiiert wurde und nun gemeinsam mit den Siegener Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt werden soll.
Hier besteht Handlungsbedarf ...
Der Gestaltungskompass ist im August dieses Jahres in einer Auflage von 5.000 Exemplaren erschienen und liegt in allen Rathäusern sowie im KrönchenCenter aus. Nachfolgend erhalten Sie die Broschüre im praktischen pdf-Format:Der Rat der Stadt Siegen hat die Erstellung dieses Gestaltungskompass am 6. Mai 2009 wie folgt beschlossen: "Erstellung einer Broschüre mit dem Ziel, die Bürger für eine regionaltypische und zugleich umweltfreundliche Stadtgestaltung zu sensibilisieren. In ihr werden Beispiele für gelungene Gebäudegestaltungen in Siegen vorgestellt und Tipps gegeben, wie man bei ohnehin notwendigen oder beabsichtigten Arbeiten am Haus (Dämmung, Renovierung etc.) mit einfachen Mitteln (Material, Farbe, Form, Grün) die Gebäude optisch aufwerten und zugleich etwas für die Umwelt tun kann. Es soll die Einsicht gefördert werden, dass jeder durch die Gestaltung seines Hauses und Grundstücks maßgeblich zu einem schöneren Stadtbild beitragen kann und dass somit die Stadtgestaltung die gemeinsame Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger ist."
Als Maßnahmenansatz mit Alleinstellungsmerkmal wurde diese gemeinsame Gestaltungsfibel "Stadtbild und Umweltschutz" 2009 von der Arbeitsgruppe Demografie vorgeschlagen, welche sowohl für die Gebäudesanierung als auch für die Verbesserung der Ökobilanz eines Hauses gute Vorschläge unterbreiten sollte. Schöne und zukunftsfähige Gebäude sind nämlich nur selten von Leerstand bedroht. Und ein attraktives Stadtbild zählt zu den "weichen Standortfaktoren", die ganz entscheidende Kriterien für Zuzüge oder eben Wegzüge sind. Mit dieser Orientierungshilfe soll bei Hausbesitzern, Handwerkern und anderen Akteuren im Baubereich gleichzeitig das Bewusstsein für regionaltypische Bauweisen, Baustoffe und Gestaltungsmerkmale geweckt als auch Vorschläge zur energetischen Sanierung und Gestaltung der privaten Freiräume unterbreitet werden.
Die schönen Seiten von Siegen zeigen ...
Der Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hat in Siegen eine besondere hohe Qualität und Bedeutung für das Stadtbild. Es ist insbesondere die Architektur des Wiederaufbaues, die das heutige Stadtbild neben den Besonderheiten, wie Krönchen, Stadtmauer und Kirchen, maßgeblich prägt.
Auch das Grün ist ein ganz wichtiger Faktor bei der Stadtgestaltung. Siegen ist eine grüne Stadt - doch v. a. durch die enge Einbindung in die grüne Umgebung. Beim innerstädtischen Grün und der Qualität der Grün- und Freianlagen gibt es noch viel Potenzial.
Die Bürger sollen zu Verbesserungen motiviert werden und dafür praktische Ausführungshinweise ohne "mahnenden Zeigefinger" erhalten. Handeln aus Überzeugung ist immer am besten!
Einen wichtigen Beitrag zur Stadtbildpflege leistet auch die kostenlose
Bauberatung.
Aber reicht das "Freiwilligkeitsprinzip" zur Erhaltung und Pflege des Stadtbildes aus? Zum Schutz des Stadtbildes soll eine Gestaltungssatzung, d. h. eine Örtliche Bauvorschrift gemäß § 86 BauO NRW erlassen werden, damit eine rechtliche Absicherung vorhanden ist, wenn sich Eigentümer - aus Absicht oder Unwissenheit - nicht an die baulichen Regeln des vorhandenen Stadtbildes halten wollen. Die Aufstellung dieser Gestaltungssatzung für die Innenstadt (Kernzone des Wiederaufbaues) ist im Arbeitsprogramm der AG Stadtplanung enthalten.
In den beabsichtigen Geltungsbereich dieser Satzung, die auch Werbeanlagen regeln soll, d.h. die hier zwei wichtige Bausteine der Stadtbildoffensive zugleich übernimmt, wurde neben der Kernzone des Wiederaufbaues auch die Citylage insgesamt umfasst, um den Fußgängerbereich attraktiv zu erhalten bzw. gestalten.
Aufgrund der weitreichenden Folgen für die künftige Gestaltung und der nötigen Eingriffe in das Eigentumsrecht muss der Satzungsinhalt rechtssicher sein, das heißt einer gerichtlichen Überprüfung standhalten. Besonders wichtig sind hierbei der Nachweis "überwiegend gestaltprägender Merkmale" einerseits und "hinreichender Bestimmtheit" andererseits. Erst die sorgfältige Analyse der bereits erhobenen Daten rechtfertigt die "besonderen Anforderungen" und "baugestalterischen Absichten", die mit der Satzung später verfolgt werden.
Die Satzung wird in jedem Falle sehr vielschichtig und komplex - denn aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituation müssen verschiedene Teilbereiche mit unterschiedlichen Gestaltungszielen und Regelungsinhalten fixiert werden - z. B. die Kernzone des Wiederaufbaus (grün), die historische Altstadt, umliegende Wohnbereiche, Sonderbauten, wie Schlösser oder Handelseinrichtungen (lila).
Spannend wird es, wenn der Entwurf fertig gestellt ist, denn dann wird es darum gehen, das rechte Gleichgewicht zwischen gestalterischen Vorgaben und individueller Gestaltungsfreiheit zu finden.
Weitere Informationen
Wenn Sie sich weiter über dieses Thema informieren möchten, finden Sie nähere Informationen in nachstehenden Downloads:
Präsentation von Stadtbaurat Michael Stojan.
Präsentation der Abteilung Stadtplanung.
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