UNIVERSITÄTSSTADT SIEGEN

BrüderBuschGedenkstätte

Die 1964 gegründete Brüder-Busch-Gesellschaft hat in dem ihr angegliederten BrüderBuschArchiv in drei Jahrzehnten eine umfangreiche Sammlung von Noten, Briefen, Programmen und anderen Dokumenten, Fotografien, Kunstwerken, Büchern und Tonaufnahmen zusammengetragen, die Leben und Wirken des Dirigenten Fritz Busch (1890-1951), des Geigers und Komponisten Adolf Busch (1891-1952), des Schauspielers Willi Busch (1893-1951), des Cellisten Hermann Busch (1897-1975) und des Pianisten und Komponisten Heinrich Busch (1900-1929) dokumentiert. Seit 1999 ist das BrüderBuschArchiv im Max-Reger-Institut untergebracht und wurde diesem im Rahmen der Auflösung der Brüder-Busch-Gesellschaft 2003 zugestiftet; hier ist es Forschern, Künstlern und sonstigen Interessenten zugänglich. Auch seither wächst das Archiv weiter - etwa durch großzügige Schenkungen aus dem Nachlass Adolf Buschs. Teil des Archivs ist die BrüderBuschGedenkstätte.

Die enge persönliche wie künstlerische Beziehung zwischen Max Reger und insbesondere den 1933 emigrierten Fritz und Adolf Busch - mit weit über Regers Tod im Jahre 1916 hinaus bis heute reichenden Folgen für Rezeption und Interpretation seiner Werke - ließ eine Verbindung mit dem Max-Reger-Institut geeignet erscheinen. Fritz, Adolf und Hermann Busch, aus einfachen Verhältnissen stammend - der Vater hatte sich vom Schreiner zum Geigenbauer emporgearbeitet, die Mutter führte ein Geschäft mit Stickereiwaren -, kehrten angesichts von Rassenwahn und der "Aktion christlicher Landsleute gegen deutsche Juden" (Adolf Busch) schon frühzeitig Deutschland den Rücken. Als Folge ihrer Emigration und ihres frühen Todes gerieten sie lange Zeit aus dem Blick der deutschen Musiköffentlichkeit - somit war es Ziel der Brüder-Busch-Gesellschaft, das Werk der Musiker nicht nur durch Präsenz im Rundfunk und auf Tonträgern in Erinnerung zu rufen, sondern auch ihr Schicksal zu dokumentieren, nicht zuletzt durch den Aufbau eines Archivs. Erst 1951, nach Stationen in Argentinien, England (legendär seine Glyndebourner Mozart-Aufführungen) und den Vereinigten Staaten von Amerika, konzertierte Fritz Busch wieder in Deutschland. Am 8. September 1951 endete mit Don Giovanni die Laufbahn des großen Mozart-Dirigenten - sechs Tage später starb Fritz Busch in London. Von den musikalischen Interessen her war er ganz Kind seiner Zeit: Sein Einsatz für Komponisten wie Paul Hindemith, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Paul Graener und Kurt Weill hat ihn zu einer festen Größe der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts werden lassen.

Der fonografische Nachlass Adolf Buschs, der häufig als legitimer Erbe Joseph Joachims charakterisiert wurde, ist überschaubar, wodurch die Wahrnehmung seiner Leistungen noch stärker verzögert war als bei seinem Bruder Fritz. Eine glanzvolle geigerische Karriere des Eldering-Schülers begann mit der Konzertmeister-Stelle im Wiener Konzertvereins-Orchester (den heutigen Wiener Symphonikern) im Alter von 21 Jahren und führte über eine Professur an der Berliner Musikhochschule, die ihm im Alter von 27 Jahren übertragen wurde, zu umfangreicher Konzerttätigkeit. Allein im Jahr 1927 spielte er Beethovens Violinkonzert mehr als hundertmal. Seit 1913 war er fast ohne Unterbrechung Streichquartett-Primarius und konzertierte überdies regelmäßig mit den renommiertesten Musikern seiner Zeit (Rudolf Serkin wurde sein Schwiegersohn, zusammen mit Arturo Toscanini gründete er die Musikfestwochen in Luzern). Schließlich war er Mitbegründer der für lange Jahrzehnte hin zentralen Studienstätte der Vereinigten Staaten von Amerika, der School of Music in Marlboro. Heute wird Adolf Busch mehr und mehr auch als Schöpfer ausgesprochen hochwertiger Kompositionen entdeckt, die sich langsam auch im internationalen Konzertleben einen Platz erobern.

Ein weiteres Gründungsmitglied der Marlboro School of Music war Hermann Busch, der nach Solocellisten-Tätigkeit in Bochum und Wien 1927 Dozent an der Essener Folkwang-Schule wurde; 1930 trat er dem Busch-Quartett bei und bildete zusammen mit seinem Bruder Adolf und Rudolf Serkin das Busch/Serkin-Trio; 1954 wurde er Professor an der Universität Miami. Heinrich Busch war der einzige der Brüder, der am Leipziger Konservatorium unter anderem bei Reger studierte; wie seine Schwester Magdalene (1904-1922) starb er noch vor Vollendung des 30. Lebensjahres. Etwas aus der Art schlug Willi Busch, der, wie seine Schwester Elisabeth (1894-1965), Schauspieler wurde und von 1919 bis 1947 am Stadttheater Bochum als Interpret der großen klassischen Rollen und als Direktor der Westfälischen Schauspielschule tätig war.

Die BrüderBuschGedenkstätte ist Teil des BrüderBuschArchivs, das 2003 dem Max-Reger-Institut Karlsruhe zugestiftet wurde.

Zur Internetpräsentation des "BrüderBuschArchivs" ...

Publikumszeiten der BrüderBuschGedenkstätte:

Dienstag und Donnerstag
10.00 bis 19.00 Uhr

Mittwoch und Freitag
10.00 bis 15.00 Uhr

Jeden vierten Samstag im Monat
10.00 bis 14.00 Uhr

Informationen erhalten Sie über das Stadtarchiv Siegen.